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Wieder zu Hause

Fünf Tage in Auschwitz waren eine intensive und bereichernde Zeit in einer Gruppe mit gemeinsamen und individuellen Erfahrungen. Doch was erwartet mich zuhause, was werde ich erzählen, kann ich diese Erfahrung überhaupt mitteilen? Dazu Gedanken einiger Teilnehmer:

Guten Abend Frau Schöps.
Mein Text wird voller Rechtschreibfehler sein und sicher auch sehr durcheinander, zu kognitiver Anstrengung und Förmlichkeiten bin ich gerade einfach noch nicht bzw, nicht mehr in der Lage..
Ich habe es geschafft, ich liege nun im Bett, in meinem Bett. Fangen wir doch von vorne an. Ich wurde von meinen Eltern freudig erwartet und habe ihnen volle zwei Stunden über die Fahrt berichtet, und das reichte immer noch nicht aus. Besonders die Gefühle und Emotionen, die man vor Ort erfahren hat, sind schwer zu beschreiben und für andere begreiflich zu machen. Meine Mama jedoch sagte, ihr hat diese Berichterstattung schon gereicht, sie wäre nicht in der Lage an diese Orte zu gehen und ich habe ihre Hochachtung. Anschließen traf ich mich noch etwas mit einer Freundin, erzählte auch ihr grob die Geschehnisse und Eindrücke der vergangenen Tage. Meine Mutter hatte erst vor zum Abendessen Pfannekuchen zu machen, mein Lieblingsessen. Sie hatte allerdings auch einen harten Tag und wir beschlossen, dies zu verschieben. Meine Eltern aßen Brot und ich nahm mir einfach einen Joghurt. Ganz anders als bei manch anderen der Gruppe, welche tatsächlich dickes Essen hatten, was sie auch wählen konnten. Mir ging es heute Abend eher einfach darum, nicht hungrig zu Bett gehen zu müssen. Natürlich auch wieder mit dem Gedanken an die Opfer in Auschwitz. Dadurch, dass ich heute direkt noch etwas für die Schule tun musste und den Gedanken daran, morgen um 10 Uhr auf der Arbeit zu stehen, fiel es mir schwer, abzuschalten. Abgesehen davon habe ich gemerkt, sobald ich nur auf bekannten Straßen selbst wieder unterwegs war, dass man quasi von jetzt auf gleich wieder aus dieser Thematik `rausgezogen wurde und im hier und jetzt stee. Schade, ich hätte gerne noch etwas Zeit gehabt um mich mental wie körperlich davon zu "erholen". Dies machte mir nochmal deutlich, wie wichtig dieser Teil der Geschichte ist, und wie wichtig es ist, dass es in allen Schulen und Bildungsgängen sowie auch im Alltag thematisiert wird. Diese Zeit darf nicht in Vergessenheit geraten. Aber ich merke, dass es im gewohnten Alltag sehr schwer ist. Man ist mit so vielen Dingen beschäftigt.. jeder hat seine Probleme und seinen Rhythmus. Es fühlt sich irgendwie schon wieder so fern an, so irreal… Dabei war ich heute Morgen noch direkt vor Ort. Andererseits ist es doch so nah, denn die Eindrücke und Emotionen, die ich die letzten Tage erlebt habe, haben für mich so einen hohen Stellenwert und keiner kann sie mir nehmen. Ich werde versuchen, diesen historischen Teil mehr in meinen Alltag einzubinden. Durch Dokus, gewissenhaftere Entscheidungen oder Handlungen und einfach das Gedenken. Ich bin unbeschreiblich froh an dieser Reise teilgenommen zu haben, es war mir sehr wichtig. auch wenn es sehr viel war und anstrengend. Psychisch wie auch physisch. ich denke, ich werde mir in stillen Momenten zwischen dem stressigen (Arbeits)alltag noch sehr viele Gedanken darüber machen, was auch sein muss, um diesen Informationsfluss zu bearbeiten und verarbeiten. Nun werde ich schlafen, um mich morgen auf meine Arbeit und die Klienten konzentrieren zu können. Ich wünsche eine angenehme Nacht,
 

Wieder zu Hause … ein tolles Gefühl nach einer emotionalen Reise. Nach Hause kommen bedeutet oft Alltag. Es warten Pflichten auf einen und ich habe es bisher als selbstverständlich angesehen, das Zuhause jemand auf mich wartet. Meine Familie. Auf dieser Reise habe ich erfahren dürfen, wie wertvoll es ist, Familie zu haben und Pflichten erledigen zu dürfen, über die ich mich sonst oft ärgere. Pflichten, die die Gefangenen früher mit Freude erledigt hätten zu Hause gemeinsamen mit ihren liebsten. Es war schön, die Tür zum vertrauten Heim rein zu gehen und meiner Familie in die lächelnden Gesichter zu schauen. Freude, dass man zurück ist und wieder komplett ist. Ich habe dieses Wiederkehren diesmal mit anderen Augen gesehen und mit einer größeren Freude durchlebt da mir in Auschwitz bewusst geworden ist wieviel Millionen von Menschen, die früher gefangen waren, an meiner Stelle wären. In diesem Sinne genieße ich den heutigen Abend noch mit meinen liebsten und bedanke mich für die eindrucksvolle Erfahrung, die ich gemeinsam mit der Gruppe machen durfte.
 

Hallo Frau Schöps,
Hier meine aktuellen Gedanken:

"Wieder zu Hause"
Mich hat der Alltag ganz schnell wieder eingeholt. Eine gestresste Mama wartet am Bahnhof, zu Hause kurz die Tiere begrüßt und dann ist direkt die Wäsche dran gewesen. Zeit, um über die Geschehnisse zu sprechen, gab es noch nicht. Dafür brauche ich nämlich viel Zeit, da es ja doch einiges zu erzählen gibt. Jetzt bin ich auf dem Weg zu einer guten Freundin und ihrer kleinen Tochter, die ich erstmal durchknuddeln werde. Trotzdem ist das nach Hause kommen diesmal anders. Ich bin dankbar, dass es überhaupt Menschen gibt, die sich darüber freuen, dass ich wieder "da" bin.

 

Guten Abend Frau Schöps,

ich bin mittlerweile bei meinem Freund angekommen.

In Duisburg wurden Jenny und ich abgeholt. Ab und zu haben wir geäußert, dass wir ziemlich froh sind, eine vertraute Umgebung sehen. Zuhause wurde ich mit einem Abendessen begrüßt und erzählte viel von der Fahrt. Danach kam die alte Routine zurück. Koffer ausräumen, Wäsche einräumen und schließlich meine Tasche packen. Mein Freund holte mich ab. Morgen beginnt der Alltag, und doch nehme ich sowohl schöne als auch emotionale Erinnerungen mit.

Ich bin ziemlich froh mitgefahren zu sein.

 

 

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