Heute besuchen wir das Stammlager Auschwitz I.

 

Das Konzentrationslager Auschwitz bestand im wesentlichem aus drei Komplexen. Das Stammlager Auschwitz I, dem Vernichtungslager Birkenau – Auschwitz II und Auschwitz-Monowitz – Auschwitz III. In Monowitz wurden die Menschen als Arbeitssklaven für die Industrie (IG Farben) benutzt und umgebracht.

Nach der Eingangskontrolle sammeln wir uns vor den Baracken. Krystina, so heißt unser Guide, führt uns durch das Museum. Zuvor gibt sie uns noch Hinweise zum Verhalten und Fotografieren in dem Museum. Viele andere Gruppen sind bereits da, davon auch viele junge Menschen aus Israel.

Krystina gibt uns zu Beginn der Führung einige Informationen zur Geschichte des KZ Auschwitz.

 

Das Lager war vor seiner Nutzung als KZ eine polnische Kaserne und konnte somit schnell als Lager für die Internierung großer Menschenmassen genutzt werden. Die ersten Gefangenen waren Mitglieder der polnischen Elite und den Menschen, bei denen die Nazi befürchteten, dass sie den Widerstand gegen den Krieg des Nazi-Deutschlands organisieren könnten. 

Im Zusammenhang mit der Wannsee-Konferenz im Januar des Jahres 1942, auf der die Logistik der faktisch bereits stattfindenden Vernichtung der Juden, organisiert wurde, bekam Auschwitz zusätzlich die Bedeutung eines Vernichtungslagers. Neben z.B. Treblinka, Sobibor, Majdanek, Belzec und weiteren.

Auschwitz war das Zentrum der Massenvernichtung der europäischen Juden. 1,1 – 1,5 Millionen Juden wurden dort ermordet. Es ist nicht möglich die Zahl genau zu bestimmen, da ca. 900.000 deportierte Juden sofort in die Gaskammern geschickt wurden, ohne sie zuvor zu registrieren. 400.000 Menschen, die in den Lagern lebten und arbeiteten, wurden registriert.

Die Baracken sind thematisch gegliedert. Mit Bildern wird die Ankunft der Menschen gezeigt. Perfide wiegen die empfangenden Nazis die Menschen in Sicherheit. In einer ruhigen Atmosphäre werden sie selektiert. Zuerst die Frauen und Kinder von den Männern. Dann in diejenigen, die die Nazis als Arbeitssklaven noch an die deutsche Industrie weitergaben (in Auschwitz war dies IG-Farben – einem Konzernverbund, bestehend u.a. aus Agfa, Bayer, BASF, Hoechst) und die, die direkt in die Gaskammern geschickt wurden. Erstere starben dann durch die maximale Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. Weitere Baracken zeigen, wie die Menschen dort schliefen, wie die sanitären Verhältnisse waren... Eine Baracke wurde als Gefängnis genutzt, in dem die Unmenschlichkeit noch weiter auf die Spitze getrieben wurde. Andere Baracken wurden als Krankenstationen genutzt. Der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele hat dort mit weiteren Ärzten Menschenversuche an den Gefangenen durchgeführt, Frauen und Männer wurden zu Hunderten sterilisiert.

 

Die Zahlen, die Brutalität und Grausamkeit, die Schicksale die damit zusammenhängen, die Familien, die Kinder. Es ist für mich unfassbar, zu was die Nazis fähig waren.

Mich packte einerseits eine unbändige Wut und andererseits tiefe Traurigkeit bei dem Gang durch das Gelände, durch die verschiedenen Baracken.

Die Baracke, in der die Habseligkeiten der Deportierten ausgestellt werden. Berge von Haaren, die den Menschen abrasiert wurden, Berge von (Kinder-) Schuhen, Kleidung, Töpfen, Koffern, Brillen, Prothesen. Die Gänge mit den hunderten von Frauen, Männern, den Kindern, die registriert wurden und dann später zu Tode gekommen sind. Die Baracke, in der das „Buch der Namen“ ausgestellt ist und in dem die jungen israelischen Menschen blättern, um ihre Angehörigen dort zu finden.

In der Gefängnisbaracke ist ein Raum, der Stehblock, so ausgebaut, dass es mehrere 1 qm große „Räume“ gab. Diese waren nur durch eine kleine ca. 50 cm hohe Luke auf dem Boden zugängig. Dort wurden vier Menschen über Nacht „reingepfercht“. Die Einstiegsluke wurde verschlossen, es gab keine weitere Luftzufuhr. Diese Menschen konnten darin nur stehen. Wenn sie in der Nacht nicht erstickt sind, wurden sie am nächsten Tag wieder zur Arbeit gebracht und dann am nächsten Abend erneut wieder dort „eingepfercht“.

Jährlich besuchen über 1 Millionen Menschen das KZ Auschwitz. Die Arbeit der Guides ist eine sehr wichtige antifaschistische Aufklärungsarbeit. Auch wenn wir heute keine direkte Verantwortung für das haben, was unsere Vorfahren dort angerichtet haben, so haben wir doch die Verantwortung, dass so etwas nicht noch einmal geschieht.

Zum Ende der Führung war es eine zentrale Aussage von Primo Levi, Überlebender des Holocaust, dass dies damals geschehen konnte und heute wieder geschehen kann.

 

 

Mein persönliches Fazit des heutigen Tages:

Der Besuch des Stammlagers muss mit einer Diskussion über die aktuellen politischen Ereignisse in Deutschland verbunden werden. Die Tatsache, dass heute erneut eine faschistoide Organisation wie die AfD mit 12,6 % in den Bundestag und inzwischen in 14 Landtage einziehen konnte, ist ein Skandal und ein deutliches Zeichen dafür, dass der antifaschistischen Aufklärungsarbeit ein viel stärkeres Gewicht in den Schulen und im öffentlichen Leben gegeben werden muss.

Wenn der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke mit Bezug auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin heute sagt: „Diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Wir brauchen keine toten Riten mehr“ und vom „Mahnmal der Schande“, spricht, dann meint er das genaue Gegenteil davon. Die Greuel der Nazis sollen in Vergessenheit geraten und genau das darf nicht passieren.

Oliver
 

Der Nachmittag

Nach dem Besuch im Stammlager gab es nachmittags zwei Angebote zur Auswahl:

·         Besuch der Ausstellung in Harmeze – „Bilder im Kopf“ von Marian Kolozieja

·         „Sklaven der Gaskammer“ – Videodokumentation über das „Sonderkommando“ und Gespräch

 

Der Besuch der Ausstellung in Harmeze – „Bilder im Kopf“ von Marian Kolozieja

Der Künstler Marian Kolozieja gehörte zu den ersten registrierten Häftlingen des Stammlagers Auschwitz. Er war Nummer 432.

Rund 40 Jahre berichtete er nicht über sein Leben im Lager und arbeitete als Bühnenbildner in Danzig. Erst nach einem Schlaganfall war es ihm ein Bedürfnis ein Zeugnis zu hinterlassen. 14 Jahre lang entstand die umfassende und sehr eindringliche Ausstellung, die sich nicht in Worte fassen lässt. Die Bilder sprechen für sich:

Über diesen Tag haben wir uns noch lange ausgetauscht. Der Bericht zu „Sklaven der Gaskammer“ folgt morgen…