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Tag 3: Besuch des Vernichtungslagers Birkenau

von Jennifer Golanski und Michaela Karg

Mit gemischten Gefühlen begannen wir unseren dritten Tag in Auschwitz. Unsere Reiseführerin Krystina empfing uns am Eingangstor. Heute besuchen wir das Stammlager Auschwitz II Birkenau. Noch von vielen Emotionen und Gedanken des gestrigen Tages geprägt, begann die Führung. Das Wetter zeigte sich nebelig, was die emotionsvolle Stimmung nochmals untermalte.

Zunächst besuchten wir die Schlaf- und Sanitärbarracken. Unmenschliche Lebensverhältnisse in Holzbarracken riefen Bilder der Vergangenheit auf. Trotz des enormen Vorwissens, waren wir über die Lebensverhältnisse dennoch sehr schockiert.

Wir liefen weiter, neben uns verliefen die Schienen auf denen massig Menschen mit dem Zug angefahren kamen. Der Zug in den Tod. Direkt nach der Ankunft wurden die Menschen selektiert, potentielle Arbeiter zur Registrierung, alte, schwache und Kinder auf den direkten Weg in die Gaskammer.

Ein lebensnaher Dialog von Elie Wiesel über ein Mutter-Tochter Gespräch, welche auf dem Weg in die Gaskammer waren, ließ unsere Empathie zu den Geschehnissen nochmals steigen.

Kurz darauf machten wir uns auf den Weg zur Gedenkstätte und den gesprengten Krematorien und Gaskammern. Viele unterschiedliche Gedanken kreisten um uns. Jeder von uns trug eine weiße Rose bei sich, die er als Gedenken an einem Ort seiner Wahl ablegen konnte. Einige Rosen ließen sich bereits bei der Gaskammer Nr.2 nieder.

An einer Gedenkstätte am sogenannten weißen Haus, eine weitere Gaskammer, ließen wir weitere Rosen nieder und schenkten den Opfern vereinzelnd eine Gedenkminute.

Etwas außenstehend, befinden sich abgebaute Baracken. Wir besichtigten das sogenannte „Kanada-Lager“, mittendrin ein Schaukasten mit alten Wertgegenständen: Töpfe, Schüsseln, Besteck, Gläser, Scheren… Einige der wenigen Lebensspuren der Opfer.

Wir liefen zu weiteren Krematorien und Gaskammern. Alle gesprengt. Überall gibt es Grabsteine um die Toten zu Ehren.

Daneben ein See, in dem die Asche der Toten liegt.

Tief berührt läuteten wir eine gemeinsame Schweigeminute ein. Ein Gänsehautmoment berührte uns: Nach unserer Schweigeminute wehte ein Windstoß über uns, der die Blätter des Baumes wehen ließ, als hätten wir eine Antwort bekommen. Dann hatten wir alle kurze Zeit für uns.

Wir liefen weiter in das Gebäude, in welchem die Gefangenen registriert wurden: Sie wurden geschoren, geduscht und letztendlich mit ihrer Häftlingsnummer tätowiert und eingekleidet.

Besonders berührend war die Fotowand. Hier hingen Bilder, die nach der Befreiung auf dem Gelände gefunden wurden. Hier sah man glückliche Familien, Schulfotos und auch Spaßfotos. Dies war nochmal besonders prägend.

Zum Schluss besuchten wir die Mutter-Kind Barracken. Berührend waren hier die selbstgezeichneten Bilder, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Ein großer Dank geht hier an unsere Reiseführerin Krystina, die immer die richtigen Worte fand und die Führung sehr angenehm gestaltet hat. Eine beeindruckende Frau, die seit über 40 Jahren für die Gedenkstätte arbeitet, schon viele Führungen geleitet hat und trotzdem noch viele Emotionen mit sich trug.

Ihren Vortrag schloss sie mit einem über 200 Jahre altem Zitat eines jüdischen Philosophen:

„Damit sich das Böse entwickelt, braucht es nur, dass die Guten nichts tun.“

 

Nach dem Besuch im Vernichtungslager Birkenau besuchten wir nachmittags Workshops

 

„Die Karrierre eines SS-Unterscharführers“

von Julia Leßmann, Lisa Bruckschen, Alena Hain, Rieke Wegscheider, Petra Kilders, Christian Frohne

Heute haben wir an dem Workshop „Karriere eines SS-Unterscharführeres“ in dem Stammlager Auschwitz I teilgenommen. Dort haben wir Kopien von Originaldokumenten des SS-Unterscharführer Herbert Heinz Winter gesichtet und seinen Lebensweg herausgearbeitet.

Geboren im September 1919 im damaligen Oberschlesien als Herbert-Heinz-Wieczorek, studierte bis 1938 Jura in Breslau, trat in die Wehrmacht ein und bewarb sich 1940 bei der Gestapo, wurde aber von der Wehrmacht nicht freigegeben. 1941 verändert er seinen polnischen Namen zu dem deutschen Namen Herbert Heinz Winter.

Bis 1942 war er an der Front, kehrte verletzt vom Russlandfeldzug zurück und wurde im Januar 1942 nach Auschwitz versetzt. Dort blieb er bis zur Befreiung des Lagers durch die rote Armee am 27. Januar 1945.

An Wochenenden nahm er mit der SS-Sportgemeinschaft erfolgreich an Wettkämpfen teil oder besuchte regelmäßig seine Familie. Als er seinen größten sportlichen Erfolg feierte, wurde im Stammlager die größte Vernichtungsaktion durchgeführt.

Herbert Heinz Winter - Ein ganz normaler Mensch?!

 

 

„Kinder über den Holocaust“

von Loreen Staschok, Hannah Starck, Meike Schöps

Heute haben wir an dem Workshop „Kinder über den Holocaust“ in dem Stammlager Auschwitz I teilgenommen.

Zunächst erfuhren wir im Vortrag, dass rund 232.000 Kinder nach Auschwitz deportiert worden sind. Keine 10 % überlebten. Die meisten Kinder wurden bereits an der Ankunftsrampe selektiert und vergast. Neugeborene Kinder starben meist nach wenigen Stunden oder Tagen. Häufig kam es auch vor, dass Mutter und Kind direkt nach der Geburt ermordet wurden.

Anschließend recherchierten wir selbständig in Originaldokumenten zu der Situation der Kinder im Konzentrationslager.

So haben wir in einem Erfahrungsbericht des Jungen Bruno erfahren, dass er nach seiner Ankunft von seinen Eltern getrennt worden ist und in das weitere entfernte Lager Birkenau gebracht worden. Dort lebte er unter menschenunwürdigen Verhältnissen mit anderen Kindern in einer Baracke. Er hatte Hunger und stillte seinen Durst mit dem eigenen Urin. Sein jüngerer dreijähriger Bruder starb an Unterernährung…

Der Todesengel von Auschwitz – Dr. Josef Mengele

Besonders beindruckt hat uns der Erfahrungsbericht einer Krankenschwester, die für Dr. Josef Mengele, auch der „Todesengel von Auschwitz“ genannt, arbeiten musste. Der Arzt hat Kinder mit Spielzeug, Schokolade und zusätzlichen Essensrationen versorgt, um Vertrauen zu gewinnen bzw. deren Eltern zu überzeugen, dass sie ihre Kinder für vermeintlich medizinische Experimente zur Verfügung stellen. Besonders an Zwillingen war Mengele interessiert. Das wohl extremste, was in dem Bericht stand, war, dass Dr. Mengele zwei Kinder wie siamesische Zwillinge Rücken an Rückenzusammengenäht hat und ihre Adern zusammengenäht hat. Qualvoll starben sie anschließend in ihre Baracke.

Die Erfahrungsberichte haben alle sehr gefesselt. Es war im Gegensatz zum normalen Unterricht absolute Stille und wir haben freiwillig länger gearbeitet.

Nachdenklich verließen wir das Stammlager. Trotz beeindruckender Erfahrungsberichte bleibt für uns unfassbar, was diese Kinder erlebt haben…

 

Morgen werden wir in Krakau einer Zeitzeugin begegnen und das damalige und heutige jüdische Leben in der Stadt kennenlernen. Da wir erst in den Abendstunden heimkehren, melden wir uns erst wieder am Sonntag.

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