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Der Tag 4: Ein Tag in Krakau

Der Tag heute hatte es in sich. Bereits um 7 Uhr gab es Frühstück und um 8 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Krakau.

Dort trafen wir uns zunächst mit Monika Goldwasser zu einem Zeitzeugengespräch, anschließend wurden wir durch das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz und die Altstadt geführt. Nach einer kleinen Stärkung hatten wir Zeit für eine kleine Shopping-Tour und besuchten dann die Ausstellung „Krakau zwischen 1939 und 1945“ in der ehemaligen Schindler-Fabrik. Abschließend lernten wir die heutige jüdische Kultur bei Livemusik und koscherem Essen im Klezmer Hois kennen.

Nach 15 Stunden kehrten wir zurück ins Zentrum für Dialog und Gebet. Wir waren müde und erschöpft, aber voller neuer Eindrücke – lesen Sie mehr:

 

Das Zeitzeugengespräch mit Monika Goldwasser

von Karina

 „Ich hatte zwei Mütter – Salomea, die mich geboren hat, und Anna, die mich gerettet, aufgezogen und geliebt hat. Meine polnischen Adoptiveltern hatten mich aus dem Ursulinenkloster in Krakau geholt, wohin mich meine leiblichen Eltern abgegeben hatten. Sie hatten gespürt, dass dies der einzige Weg war, um mein Leben zu retten (angesichts der drohenden Ermordung). Die Wahrheit erfuhr ich von meiner Adoptivmutter Anna auf deren Sterbebett, obwohl sie schon häufig kurz davor gewesen war, das Geheimnis eher zu verraten.“

Worte von einer Frau, die als Kind den Holocaust überlebte. Sie nahm sich die Zeit uns über ihr damaliges Leben zu berichten. Sie erzählte uns erst über ihre leiblichen Eltern, die beide jüdischer Herkunft waren und in Krakau lebten. 1941 befahl man ihnen in ein Dorf außerhalb von Krakau umzusiedeln, zu diesem Zeitpunkt war Salomea gerade schwanger. Anfangs war das junge Paar voller Hoffnung, als sie jedoch sahen, wie eine andere jüdische Familie erschossen wurde, war ihnen klar, dass die Juden nicht überleben werden. Um ihrem Kind ein Leben zu ermöglichen, beschlossen sie, ihr Kind zur Adoption freizugeben. So kam Monika Goldwasser in ein Kloster.

Während Monika adoptiert wurde, wurde das ganze Dorf gezwungen sich zu versammeln. Die Pferdewagen standen bereit, um die Bewohner ins Konzentrationslager zu bringen. Dabei hatte Monikas Mutter eine mutige Idee, damit bei der Zählung nicht auffiel, dass eine Person – Monika – fehlt, hielt die Mutter statt ihres leiblichen Kindes eine Puppe im Arm. Monikas leibliche Eltern wurden umgebracht.

Monika wurde von Anna, ihrer Adoptivmutter, aus dem Kloster mitgenommen weil sie die Traurigkeit in den Augen des Kindes gesehen hat. Die Familie musste bis Kriegsende immer wieder umziehen und sich verstecken. Dennoch sagt Monika Goldwasser heute, dass sie eine glückliche Kindheit hatte. Für ihre Pflegeeltern hat sie die Medaille für die Gerechten unter den Völkern in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem beantragt.

In Ihrer Ansprache während der feierlichen Verleihung der Medaille „Gerechte unter den Völkern“ betont sie:

„Mein Leben verdanke ich der Tapferkeit, der Hingabe und dem Widerstand gegen den Tod. Mir ist bewusst, wie viel Angst meine polnischen Eltern vor der Enttarnung hatten – uns allen drohte der Tod! (...) Meine polnische Mutti erfüllte den größten Wunsch meiner jüdischen Mutti Salomea – sie überwand ihre eigene Angst, um mich zu retten, und sie überschüttete mich mit ihrer Liebe. Sie ersetzte die Liebe der Frau, die mich zur Welt gebracht hatte und die man nicht hatte leben lassen. Niemals werde ich Feindseligkeit zwischen Menschen und Völkern akzeptieren. Güte ist der höchste Wert!“ http://www.galiciajewishmuseum.org/media/attachment/file/1008_Swiadkowie_historii_niemiecki_final.pdf, 22.10.2017

Wir alle sind dankbar darüber, dass wir eine der letzten Generationen sind, die das Privileg haben eine Zeitzeugin kennenzulernen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Führung durch das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz und die Altstadt von Krakau

von Sidney Heyer, Laura Domogalla und Lina Schöne

Zuerst sahen wir uns die alte Synagoge an. Von dort aus gingen wir zu einem Gedenkstein, an welchem uns erklärt wurde, dass man einen Friedhof, eine Synagoge und eine Mikwe (Tauchbad der Reinigung) braucht, um eine jüdische Gemeinde zu gründen. Nachdem wir uns eine gebaute Laubhütte (Laubhüttenfest) und die Synagoge Tempel angeschaut haben,ging es weiter in die Krakauer Altstadt. Dort starteten wir mit der Besichtigung der Wawel, welches ein Symbol des polnischen Staatswesens ist. In einer Steinhöhle unterhalb der Wawel fand man im Mittelalter ungewöhnliche Gebeine, welche man für Teile eines Drachenskeletts hielt. So entstand die Legende des Drachen von Krakau. Die Gebeine identifizierte man jedoch später als ein Nashorn Schädel, eine Wal Rippe und zwei Mammut Stoßzähne. Noch heute ist die Drachenstatue ein beliebtes „Klettergerüst“ und speit alle 3 bis 5 Minuten Feuer. Außerdem ist der Drache als Kuscheltier in jedem Souvenirshop der Wawel erhältlich. Weiter ging es zum Mittelpunkt der Altstadt, dem Marktplatz.

 

 

 

 

 

 

 

 

Shopping in Krakau

Ausgestattet mit Stadtplan und etwas Verpflegungsgeld hatten wir vier Stunden Freizeit, die wir individuell gestalten konnten. Einige nutzten die Zeit um zu essen, andere gingen shoppen oder erkundeten einfach weiter die Umgebung. Um 17:30 Uhr trafen wir uns an der Marienkirche und fuhren mit Golfcar ähnlichen Fahrzeugen zu der Schindler-Fabrik.

Weiter geht´s zur ehemaligen Schindler-Fabrik

 

 

„Krakau zwischen 1939 und 1945“ in der ehemaligen Schindler-Fabrik

von Johanna Kohl & Merle Ingensiep

Unsere Erwartungen, mehr über Schindler und seine Fabrik zu erfahren, verflogen bereits, als wir das neuaussehende Gebäude sahen. Im Museum bekamen wir eine zügige Führung, bei der wir eher weniger die Ausstellung wahrnehmen konnten. Wir hatten wenig Zeit, um uns in die Bilder, Gegenstände und Texte zu vertiefen. Zudem waren die Räume zu klein, um in der Gruppe alles wahrnehmen zu können. Durch die Referentin erfuhren wir eher weniger über Schindler und seine Fabrik, sondern bekamen viele Informationen über das Leben der Juden zur Zeit des Nationalsozialismus (Ghettos).

Spannend war, dass wir einige Drehorte des Filmes „Schindler Liste“ zu Gesicht bekamen. Außerdem konnten wir mehrere originale Gegenstände aus der Schindler Fabrik vorfinden, beispielsweise diesen Schreibtisch und die Landkarte, die Sie auf dem hinzugefügten Bild betrachten können.

Nach der informativen Führung ging es zurück ins jüdische Viertel.

 

 

Jüdische Kultur im Klezmer Hois

von Meike Schöps

Wie sieht das jüdische Leben heute aus? Bei einem geselligen Abend erhielten wir bei Livemusik im Klezmer Hois und koscherem Essen einen Eindruck. Das koschere Drei-Gänge-Menü bestand aus Zwiebelsuppe, Hähnchen mit Ingwer-Möhren und Rotkohl sowie Früchtebrot zum Nachtisch, polarisierte zwar, aber die begleitenden Klänge der Klezmer-Musik trugen zur Entspannung bei.

 

 

 

 

 

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