Suche

Heut geht es los. Zum dritten Mal macht sich eine Gruppe Schülerinnen und Schüler sowie Studierenden und Lehrkräfte auf den Weg nach Auschwitz.

Warum fährt man in das größte nationalsozialistische Konzentrationslager, in dem mindestens 1,1 Millionen Menschen fabrikmäßig vergast, erschossen und zu Tode geschunden wurden. „Ich möchte mehr „sehen“ als Filme und Bilder und es selbst erleben“, begründet eine Teilnehmerin ihren Entschluss mitzufahren.

Auf die Fahrt haben wir uns inhaltlich vorbereitet und gefragt „Wer waren die Täter? Was bringt Menschen dazu, so etwas zu tun?“ In der Dokumentation „Die Bestie in uns“ wurden uns Erklärungsansätze vorgestellt, aber es blieben viele Fragen offen. Wir freuen uns darauf, vor Ort in vielen Gesprächen und Begegnungen u.a. mit einem Zeitzeugen diese Fragen zu thematisieren und vielleicht einer Antwort ein Stückchen näher zu kommen.

Wie werden täglich berichten! Erleben Sie mit, was wir in der Zeit vom 18.10. bis 23.10.2017 erleben!
Wir freuen uns auf interessierte Leserinnen und Leser.

Meike Schöps, Begleitperson


Der Beginn der Auschwitzfahrt

von Dilara, Adisa und Sophie

Die Anfahrt

Der Morgen begann reibungslos, viele haben eine Fahrgemeinschaft gebildet und fuhren mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto. Da morgens die Straßen überfüllt sind, entschieden wir uns mit dem Zug zum Düsseldorfer Flughafen zu fahren. Um ca. 9:50 Uhr waren alle mit guter Laune am vereinbarten Treffpunkt versammelt. Das Einchecken verlief relativ zügig und bald befanden wir uns im Flugzeug. Einige von uns waren besonders aufgeregt, weil sie das erste Mal geflogen sind. Wir waren heil froh, dass unser erster Flug so gut verlaufen ist.

Auch die Busfahrt mit vorhandener Klimaanlage war im Gegensatz zu der vorherigen Auschwitz-Exkursion eine Luxusfahrt.

Die Ankunft

Als wir schließlich um 15:00 Uhr im Zentrum für Dialog und Gebet angekommen sind, wurden wir herzlich empfangen. Schnell wurde klar, wer sich mit wem ein Zimmer teilt, somit war das Einchecken keine große Schwierigkeit. Der erste Eindruck der Zimmer war positiv und wir fühlten uns auf Anhieb wohl. Im Anschluss wurde uns von einer Mitarbeiterin des Hauses, die hier ihr Freiwilliges soziales Jahr absolviert, die Bedeutung der Einrichtung vorgestellt. Die 4 Säulen sind, Erfahrungen zu sammeln, diese zu reflektieren und anschließend in den Austausch zu gehen. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit zum Gebet.

Dabei wurden viele offene Fragen in den Raum gestellt:

·         ,, Wie hätte ich mich als Häftling verhalten ``

0der

·         ,,Hätte ich als Häftling Brot geklaut ``

Im Laufe der nächsten fünf Tage werden wir sie selbst beantworten

Der Abend

Am Abend wurden diese Fragen durch den Vortrag unserer Reiseleiter Tobin und Teri ergänzt und wir haben eine erste Vorstellung von der Entstehung und Entwicklung der Konzentrationslager in Auschwitz.

Gespannt gehen wir morgen ins Stammlager Auschwitz I…


Heute besuchen wir das Stammlager Auschwitz I.

 

Das Konzentrationslager Auschwitz bestand im wesentlichem aus drei Komplexen. Das Stammlager Auschwitz I, dem Vernichtungslager Birkenau – Auschwitz II und Auschwitz-Monowitz – Auschwitz III. In Monowitz wurden die Menschen als Arbeitssklaven für die Industrie (IG Farben) benutzt und umgebracht.

Nach der Eingangskontrolle sammeln wir uns vor den Baracken. Krystina, so heißt unser Guide, führt uns durch das Museum. Zuvor gibt sie uns noch Hinweise zum Verhalten und Fotografieren in dem Museum. Viele andere Gruppen sind bereits da, davon auch viele junge Menschen aus Israel.

Krystina gibt uns zu Beginn der Führung einige Informationen zur Geschichte des KZ Auschwitz.

 

Das Lager war vor seiner Nutzung als KZ eine polnische Kaserne und konnte somit schnell als Lager für die Internierung großer Menschenmassen genutzt werden. Die ersten Gefangenen waren Mitglieder der polnischen Elite und den Menschen, bei denen die Nazi befürchteten, dass sie den Widerstand gegen den Krieg des Nazi-Deutschlands organisieren könnten. 

Im Zusammenhang mit der Wannsee-Konferenz im Januar des Jahres 1942, auf der die Logistik der faktisch bereits stattfindenden Vernichtung der Juden, organisiert wurde, bekam Auschwitz zusätzlich die Bedeutung eines Vernichtungslagers. Neben z.B. Treblinka, Sobibor, Majdanek, Belzec und weiteren.

Auschwitz war das Zentrum der Massenvernichtung der europäischen Juden. 1,1 – 1,5 Millionen Juden wurden dort ermordet. Es ist nicht möglich die Zahl genau zu bestimmen, da ca. 900.000 deportierte Juden sofort in die Gaskammern geschickt wurden, ohne sie zuvor zu registrieren. 400.000 Menschen, die in den Lagern lebten und arbeiteten, wurden registriert.

Die Baracken sind thematisch gegliedert. Mit Bildern wird die Ankunft der Menschen gezeigt. Perfide wiegen die empfangenden Nazis die Menschen in Sicherheit. In einer ruhigen Atmosphäre werden sie selektiert. Zuerst die Frauen und Kinder von den Männern. Dann in diejenigen, die die Nazis als Arbeitssklaven noch an die deutsche Industrie weitergaben (in Auschwitz war dies IG-Farben – einem Konzernverbund, bestehend u.a. aus Agfa, Bayer, BASF, Hoechst) und die, die direkt in die Gaskammern geschickt wurden. Erstere starben dann durch die maximale Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. Weitere Baracken zeigen, wie die Menschen dort schliefen, wie die sanitären Verhältnisse waren... Eine Baracke wurde als Gefängnis genutzt, in dem die Unmenschlichkeit noch weiter auf die Spitze getrieben wurde. Andere Baracken wurden als Krankenstationen genutzt. Der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele hat dort mit weiteren Ärzten Menschenversuche an den Gefangenen durchgeführt, Frauen und Männer wurden zu Hunderten sterilisiert.

 

Die Zahlen, die Brutalität und Grausamkeit, die Schicksale die damit zusammenhängen, die Familien, die Kinder. Es ist für mich unfassbar, zu was die Nazis fähig waren.

Mich packte einerseits eine unbändige Wut und andererseits tiefe Traurigkeit bei dem Gang durch das Gelände, durch die verschiedenen Baracken.

Die Baracke, in der die Habseligkeiten der Deportierten ausgestellt werden. Berge von Haaren, die den Menschen abrasiert wurden, Berge von (Kinder-) Schuhen, Kleidung, Töpfen, Koffern, Brillen, Prothesen. Die Gänge mit den hunderten von Frauen, Männern, den Kindern, die registriert wurden und dann später zu Tode gekommen sind. Die Baracke, in der das „Buch der Namen“ ausgestellt ist und in dem die jungen israelischen Menschen blättern, um ihre Angehörigen dort zu finden.

In der Gefängnisbaracke ist ein Raum, der Stehblock, so ausgebaut, dass es mehrere 1 qm große „Räume“ gab. Diese waren nur durch eine kleine ca. 50 cm hohe Luke auf dem Boden zugängig. Dort wurden vier Menschen über Nacht „reingepfercht“. Die Einstiegsluke wurde verschlossen, es gab keine weitere Luftzufuhr. Diese Menschen konnten darin nur stehen. Wenn sie in der Nacht nicht erstickt sind, wurden sie am nächsten Tag wieder zur Arbeit gebracht und dann am nächsten Abend erneut wieder dort „eingepfercht“.

Jährlich besuchen über 1 Millionen Menschen das KZ Auschwitz. Die Arbeit der Guides ist eine sehr wichtige antifaschistische Aufklärungsarbeit. Auch wenn wir heute keine direkte Verantwortung für das haben, was unsere Vorfahren dort angerichtet haben, so haben wir doch die Verantwortung, dass so etwas nicht noch einmal geschieht.

Zum Ende der Führung war es eine zentrale Aussage von Primo Levi, Überlebender des Holocaust, dass dies damals geschehen konnte und heute wieder geschehen kann.

 

 

Mein persönliches Fazit des heutigen Tages:

Der Besuch des Stammlagers muss mit einer Diskussion über die aktuellen politischen Ereignisse in Deutschland verbunden werden. Die Tatsache, dass heute erneut eine faschistoide Organisation wie die AfD mit 12,6 % in den Bundestag und inzwischen in 14 Landtage einziehen konnte, ist ein Skandal und ein deutliches Zeichen dafür, dass der antifaschistischen Aufklärungsarbeit ein viel stärkeres Gewicht in den Schulen und im öffentlichen Leben gegeben werden muss.

Wenn der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke mit Bezug auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin heute sagt: „Diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Wir brauchen keine toten Riten mehr“ und vom „Mahnmal der Schande“, spricht, dann meint er das genaue Gegenteil davon. Die Greuel der Nazis sollen in Vergessenheit geraten und genau das darf nicht passieren.

Oliver
 

Der Nachmittag

Nach dem Besuch im Stammlager gab es nachmittags zwei Angebote zur Auswahl:

·         Besuch der Ausstellung in Harmeze – „Bilder im Kopf“ von Marian Kolozieja

·         „Sklaven der Gaskammer“ – Videodokumentation über das „Sonderkommando“ und Gespräch

 

Der Besuch der Ausstellung in Harmeze – „Bilder im Kopf“ von Marian Kolozieja

Der Künstler Marian Kolozieja gehörte zu den ersten registrierten Häftlingen des Stammlagers Auschwitz. Er war Nummer 432.

Rund 40 Jahre berichtete er nicht über sein Leben im Lager und arbeitete als Bühnenbildner in Danzig. Erst nach einem Schlaganfall war es ihm ein Bedürfnis ein Zeugnis zu hinterlassen. 14 Jahre lang entstand die umfassende und sehr eindringliche Ausstellung, die sich nicht in Worte fassen lässt. Die Bilder sprechen für sich:

Über diesen Tag haben wir uns noch lange ausgetauscht. Der Bericht zu „Sklaven der Gaskammer“ folgt morgen…


Blogbeitrag von Corali Simowski zum Film:

 

„Die Sklaven der Gaskammern“

 

Ein Film, der den grausamen Alltag der Arbeiter des Sonderkommandos darstellt.

Arbeiter des Sonderkommandos waren jene, die dazu gezwungen wurden Abscheuliches in den Krematorien zu leisten. Sie mussten den Menschen, die zum Tode bestimmt waren, helfen, sich vor der Gaskammer zu entkleiden. Sie waren gezwungen zu vertuschen, dass auf sie , nicht wie versprochen ein Bad wartete, sondern der grausame Tod.

Des Weiteren wurden sie dazu gezwungen anschließend den getöteten Menschen ihre Gebisse zu entnehmen, ihre Haare abzuschneiden sowie das letzte Hab und Gut, welches die Opfer an ihrem Körper trugen zu entwenden. Das alles nur, damit aus den Opfern noch Profit gemacht werden konnte. Als wäre all das nicht genug, mussten sie die Leichen in Öfen oder auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Zudem wird im Film erzählt, dass Menschen auch bei lebendigem Leibe verbrannt worden sind. Ein Leid, welches die Arbeiter des Sonderkommandos erlitten, was ich mir im schlimmsten Albtraum nicht erahnen, beziehungsweise vorstellen könnte. Nach unserem Besuch im Stammlagen Auschwitz I war ich bereits fassungslos über das Ausmaß dieser Katastrophe. Als ich jedoch am Nachmittag den Film über das Sonderkommando gesehen habe, in dem Zeitzeugen über ihr Leid als Arbeiter berichteten, überkam mich tiefe Trauer und großes Entsetzen. Im Film erzählen Zeitzeugen sehr realitätsnah über ihr eigenes und das Leid der Todesopfer. Besonders emotional mitgenommen war ich, als sich die Betroffenen selbst nicht einer Rolle zuordnen konnten. Waren sie nun Täter oder Opfer? Wie wurden sie von den anderen Menschen gesehen? Hierzu muss ich deutlich anmerken, dass keiner der Arbeiter des Sonderkommandos die Menschen in den Gaskammern vergast hat! Der Gedanke, dass diese vom Leid geprägten Menschen sich als Täter ansehen, war für mich wirklich sehr bedrückend. Sie kamen jedoch für sich selbst zu dem Entschluss, dass sie selber Opfer waren, die unter purem Zwang handelten. Der Gedanke, Opfer gewesen zu sein, verhalf den Arbeitern des Sonderkommandos bei der Verarbeitung der erlebten Ereignisse. Zudem wurde im Film das Ausmaß nochmal sehr deutlich. Der deutliche Bezug zur Realität, der mir am Vormittag im Stammlager etwas fehlte, um annähernd zu erahnen, was dort geschehen ist, wurde mir durch den Film gegeben. Meine Vorstellungen wurden deutlicher und zugleich von mehr Trauer und Entsetzen geprägt. Die Zahl der Todesopfer kann ich mir nun besser vorstellen, was mich sehr bedrückt.

Mein Fazit ist, dass ich den Film zu jeder Zeit weiter empfehlen würde, für diejenigen, die sich einen Realitätsbezug wünschen und die grauenhafte Wahrheit über die Krematorien erfahren wollen. Zur Zeit sind meine Gedanken bei den Todesopfern, den Arbeitern des Sonderkommandos sowie bei all denen, die im Konzentrationslager gefangen und misshandelt wurden und heute noch Leben.  

 


Tag 3: Besuch des Vernichtungslagers Birkenau

von Jennifer Golanski und Michaela Karg

Mit gemischten Gefühlen begannen wir unseren dritten Tag in Auschwitz. Unsere Reiseführerin Krystina empfing uns am Eingangstor. Heute besuchen wir das Stammlager Auschwitz II Birkenau. Noch von vielen Emotionen und Gedanken des gestrigen Tages geprägt, begann die Führung. Das Wetter zeigte sich nebelig, was die emotionsvolle Stimmung nochmals untermalte.

Zunächst besuchten wir die Schlaf- und Sanitärbarracken. Unmenschliche Lebensverhältnisse in Holzbarracken riefen Bilder der Vergangenheit auf. Trotz des enormen Vorwissens, waren wir über die Lebensverhältnisse dennoch sehr schockiert.

Wir liefen weiter, neben uns verliefen die Schienen auf denen massig Menschen mit dem Zug angefahren kamen. Der Zug in den Tod. Direkt nach der Ankunft wurden die Menschen selektiert, potentielle Arbeiter zur Registrierung, alte, schwache und Kinder auf den direkten Weg in die Gaskammer.

Ein lebensnaher Dialog von Elie Wiesel über ein Mutter-Tochter Gespräch, welche auf dem Weg in die Gaskammer waren, ließ unsere Empathie zu den Geschehnissen nochmals steigen.

Kurz darauf machten wir uns auf den Weg zur Gedenkstätte und den gesprengten Krematorien und Gaskammern. Viele unterschiedliche Gedanken kreisten um uns. Jeder von uns trug eine weiße Rose bei sich, die er als Gedenken an einem Ort seiner Wahl ablegen konnte. Einige Rosen ließen sich bereits bei der Gaskammer Nr.2 nieder.

An einer Gedenkstätte am sogenannten weißen Haus, eine weitere Gaskammer, ließen wir weitere Rosen nieder und schenkten den Opfern vereinzelnd eine Gedenkminute.

Etwas außenstehend, befinden sich abgebaute Baracken. Wir besichtigten das sogenannte „Kanada-Lager“, mittendrin ein Schaukasten mit alten Wertgegenständen: Töpfe, Schüsseln, Besteck, Gläser, Scheren… Einige der wenigen Lebensspuren der Opfer.

Wir liefen zu weiteren Krematorien und Gaskammern. Alle gesprengt. Überall gibt es Grabsteine um die Toten zu Ehren.

Daneben ein See, in dem die Asche der Toten liegt.

Tief berührt läuteten wir eine gemeinsame Schweigeminute ein. Ein Gänsehautmoment berührte uns: Nach unserer Schweigeminute wehte ein Windstoß über uns, der die Blätter des Baumes wehen ließ, als hätten wir eine Antwort bekommen. Dann hatten wir alle kurze Zeit für uns.

Wir liefen weiter in das Gebäude, in welchem die Gefangenen registriert wurden: Sie wurden geschoren, geduscht und letztendlich mit ihrer Häftlingsnummer tätowiert und eingekleidet.

Besonders berührend war die Fotowand. Hier hingen Bilder, die nach der Befreiung auf dem Gelände gefunden wurden. Hier sah man glückliche Familien, Schulfotos und auch Spaßfotos. Dies war nochmal besonders prägend.

Zum Schluss besuchten wir die Mutter-Kind Barracken. Berührend waren hier die selbstgezeichneten Bilder, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Ein großer Dank geht hier an unsere Reiseführerin Krystina, die immer die richtigen Worte fand und die Führung sehr angenehm gestaltet hat. Eine beeindruckende Frau, die seit über 40 Jahren für die Gedenkstätte arbeitet, schon viele Führungen geleitet hat und trotzdem noch viele Emotionen mit sich trug.

Ihren Vortrag schloss sie mit einem über 200 Jahre altem Zitat eines jüdischen Philosophen:

„Damit sich das Böse entwickelt, braucht es nur, dass die Guten nichts tun.“

 

Nach dem Besuch im Vernichtungslager Birkenau besuchten wir nachmittags Workshops

 

„Die Karrierre eines SS-Unterscharführers“

von Julia Leßmann, Lisa Bruckschen, Alena Hain, Rieke Wegscheider, Petra Kilders, Christian Frohne

Heute haben wir an dem Workshop „Karriere eines SS-Unterscharführeres“ in dem Stammlager Auschwitz I teilgenommen. Dort haben wir Kopien von Originaldokumenten des SS-Unterscharführer Herbert Heinz Winter gesichtet und seinen Lebensweg herausgearbeitet.

Geboren im September 1919 im damaligen Oberschlesien als Herbert-Heinz-Wieczorek, studierte bis 1938 Jura in Breslau, trat in die Wehrmacht ein und bewarb sich 1940 bei der Gestapo, wurde aber von der Wehrmacht nicht freigegeben. 1941 verändert er seinen polnischen Namen zu dem deutschen Namen Herbert Heinz Winter.

Bis 1942 war er an der Front, kehrte verletzt vom Russlandfeldzug zurück und wurde im Januar 1942 nach Auschwitz versetzt. Dort blieb er bis zur Befreiung des Lagers durch die rote Armee am 27. Januar 1945.

An Wochenenden nahm er mit der SS-Sportgemeinschaft erfolgreich an Wettkämpfen teil oder besuchte regelmäßig seine Familie. Als er seinen größten sportlichen Erfolg feierte, wurde im Stammlager die größte Vernichtungsaktion durchgeführt.

Herbert Heinz Winter - Ein ganz normaler Mensch?!

 

 

„Kinder über den Holocaust“

von Loreen Staschok, Hannah Starck, Meike Schöps

Heute haben wir an dem Workshop „Kinder über den Holocaust“ in dem Stammlager Auschwitz I teilgenommen.

Zunächst erfuhren wir im Vortrag, dass rund 232.000 Kinder nach Auschwitz deportiert worden sind. Keine 10 % überlebten. Die meisten Kinder wurden bereits an der Ankunftsrampe selektiert und vergast. Neugeborene Kinder starben meist nach wenigen Stunden oder Tagen. Häufig kam es auch vor, dass Mutter und Kind direkt nach der Geburt ermordet wurden.

Anschließend recherchierten wir selbständig in Originaldokumenten zu der Situation der Kinder im Konzentrationslager.

So haben wir in einem Erfahrungsbericht des Jungen Bruno erfahren, dass er nach seiner Ankunft von seinen Eltern getrennt worden ist und in das weitere entfernte Lager Birkenau gebracht worden. Dort lebte er unter menschenunwürdigen Verhältnissen mit anderen Kindern in einer Baracke. Er hatte Hunger und stillte seinen Durst mit dem eigenen Urin. Sein jüngerer dreijähriger Bruder starb an Unterernährung…

Der Todesengel von Auschwitz – Dr. Josef Mengele

Besonders beindruckt hat uns der Erfahrungsbericht einer Krankenschwester, die für Dr. Josef Mengele, auch der „Todesengel von Auschwitz“ genannt, arbeiten musste. Der Arzt hat Kinder mit Spielzeug, Schokolade und zusätzlichen Essensrationen versorgt, um Vertrauen zu gewinnen bzw. deren Eltern zu überzeugen, dass sie ihre Kinder für vermeintlich medizinische Experimente zur Verfügung stellen. Besonders an Zwillingen war Mengele interessiert. Das wohl extremste, was in dem Bericht stand, war, dass Dr. Mengele zwei Kinder wie siamesische Zwillinge Rücken an Rückenzusammengenäht hat und ihre Adern zusammengenäht hat. Qualvoll starben sie anschließend in ihre Baracke.

Die Erfahrungsberichte haben alle sehr gefesselt. Es war im Gegensatz zum normalen Unterricht absolute Stille und wir haben freiwillig länger gearbeitet.

Nachdenklich verließen wir das Stammlager. Trotz beeindruckender Erfahrungsberichte bleibt für uns unfassbar, was diese Kinder erlebt haben…

 

Morgen werden wir in Krakau einer Zeitzeugin begegnen und das damalige und heutige jüdische Leben in der Stadt kennenlernen. Da wir erst in den Abendstunden heimkehren, melden wir uns erst wieder am Sonntag.


Jennie und Lisa lesen den Mutter-Kind-Dialog von Elie Wiesel.

pdf-Download

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Am gestrigen Abend sahen wir uns mit einigen Teilnehmern der Studienfahrt den Film „Die Grauzone“ an. Es ist ein US-Amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2001.

 

Der Film behandelt auf eine sehr zugespitzt dargestellte und auf Tatsachen basierte Art, Fragen der Würde, des Anstands, der Moral, der Demütigung durch und des Widerstands gegen die Nazis. Er schildert unglaubliche Zerreißproben im KZ.

 

Der Film verfolgt zwei Handlungsstränge, die sich gegen Ende treffen: Der jüdische Arzt Miklós Nyiszli muss für den KZ-Arzt Josef Mengele diverse pathologische Dienste verrichten und kann so seine Familienangehörigen, die ebenfalls im KZ gefangen sind, mehrmals vor dem sicheren Tod bewahren.

 

Der zweite Strang behandelt das Schicksal der Juden, die in Auschwitz in verschiedenen Sonderkommandos arbeiten, hier in dem Film zusammengesetzt aus jeweils ungarischen und polnischen Juden. Sie müssen der SS dabei helfen, die Vernichtung der Juden in den Gaskammern mit durchzuführen. Sie begleiten die Juden auf ihrem Weg in die Gaskammern, sie machen ihnen etwas vor. Sagen ihnen sie sollen ruhig bleiben, sich ausziehen, ihre Sachen an einen Haken hängen, sie würden nur geduscht werden und je schneller diese Prozedur abgeschlossen sei, desto schneller würden sie wieder mit ihren Familien zusammenkommen.

 

Als die Gaskammern voll sind, verriegeln sie die Türen und die SS wirft das Zyklon B von oben in die Kammern. Nach 20 Minuten sind alle tot. Danach räumen die Mitglieder des Sonderkommandos die Gaskammern und verbrennen die Leichen im Krematorium.

Dabei erleben Einzelne neben dem täglichen demütigenden Horror noch Schrecklicheres. Ein älterer Mann des polnischen Sonderkommandos muss eines Tages seine Frau, seine Tochter und seine Enkelkinder in die Verbrennungsöfen schieben. Er wird daraufhin wahnsinnig und wird von seinen Leuten des Kommandos mit einem Kissen in der Schlafbaracke erstickt oder auch erlöst.

 

In einer weiteren Szene des Films, rebelliert ein älterer Jude im Verlauf des Ganges in die Gaskammern. Verbal greift er ein Mitglied des polnischen Sonderkommandos an. Er beschimpft ihn und sagt die Wahrheit, dass hier alle sterben werden. Er sagt, dass er lieber würdevoll sterben will, als sich hier schweigend zur Schlachtbank führen zu lassen. Er will das Kommandomitglied darauf verpflichten, ebenfalls die Wahrheit zu sagen. Ein heftiger Wortwechsel entwickelt sich, in dessen weiterem Verlauf das Kommandomitglied den rebellierenden Juden totschlägt.

 

Man fragt sich, wie kann er so etwas tun.

Auf der anderen Seite sind es die gleichen Männer des Sonderkommandos, die einen Aufstand planen. Gemeinsam mit einigen Frauen planen sie, die Gaskammern und die Krematorien mit Sprengstoff zu zerstören. Die Frauen eines Arbeitskommandos in der nahe gelegenen Munitionsfabrik schmuggeln Sprengstoff in das Lager, welches dann zu dem Sonderkommando gelangt. Sie alle sind sich dessen bewusst, dass dies ihren eigenen Tod zur Folge haben wird – sie sind sich auch dessen bewusst, dass sie selber kurz davor stehen, ermordet zu werden, da kein Sonderkommando länger als vier Monate überlebt hat. Sie wissen auch, dass die Rote Armee nicht mehr weit ist und wollen durch die Zerstörung der Gaskammern möglichst vielen das Leben retten.

 

Der Film macht auch klar, dass sich der Widerstand in einem KZ nicht von einem Tag auf den anderen organisieren lässt. Du musst die Umstände deines neuen Kampfterrains kennenlernen, du musst die Menschen, mit denen ein Aufstand geplant werden kann, kennenlernen und von Spitzeln unterscheiden können. Du musst herauskriegen, wer von der Wachmannschaft korrumpierbar ist und das alles auf einem Gebiet, in dem der kleinste Fehler den sofortigen Tod bedeuten kann. Das geht nicht von heute auf morgen und nur indem du dich scheinbar mit der Vernichtungsmaschinerie arrangierst, um letztlich gegen sie zu kämpfen. Diesen Spagat macht der Film sehr brutal deutlich und ist kaum auszuhalten.

 

Die Charaktere der Mitglieder in den verschiedenen Sonderkommandos sind unterschiedlich. Als ein Mädchen die Gaskammer überlebt und einer des ungarischen Kommandos dies feststellt, holt er sie heraus und organisiert mit anderen, dass sie, mit Hilfe des o.g. Arztes versorgt und versteckt wird. Das gefährdet den ganzen Aufstandsplan. Die Mitglieder des ungarischen Kommandos haben jedoch ein Prinzip; „Wir bringen niemanden um!“

Diese Gruppe koordiniert die geplante Zerstörung „ihrer“ Gaskammer (Krematorium 1) mit einem anderen, dem polnischen Sonderkommando einer anderen Gaskammer (Krematorium 3) . Der Vertreter dieses Kommandos fordert die sofortige Tötung des Mädchens, weil es zu gefährlich sei sie zu verstecken. Die Gruppe, die er vertritt will auch lieber die eigene Flucht erkämpfen, in dem sie den Sprengstoff dazu nutzen, statt die Gaskammern zu zerstören. Hierüber wurde bereits vorher schon heftig zwischen den Vertretern der beiden Sonderkommandos gestritten. Sein persönliches Motiv ist es, sein Leben um jeden Preis zu retten, während die Ungarn bewusst ihren eigenen Tod in Kauf nehmen und nach ihren Erlebnissen und dessen, was sie tun mussten, irgendwie auch nicht mehr weiterleben wollen, niemanden mehr ins Gesicht gucken können.

 

Die SS hat eine Ahnung, dass die Häftlinge irgendetwas planen. Sie entdecken ein kleines Päckchen des geschmuggelten Sprengstoffes bei einer Frau. Sie verhören und foltern insbesondere zwei Frauen, die in der Munitionsfabrik gearbeitet haben. Im weiteren Verlauf lassen sie alle Frauen des Außenkommandos aus ihren Baracken antreten. Sie fordern die Frauen auf, zu sagen, an wen der Sprengstoff weitergegeben wurde. Sie sagen nichts. Daraufhin wird von der SS eine Frau nach der anderen erschossen, unterbrochen von der Frage „wer hat den Sprengstoff bekommen“. Sie sagen nichts. Eine der verdächtigten Frauen verzweifelt an dieser Situation und rennt in den elektrisch geladenen Zaun und stirbt.

 

Im weiteren Verlauf eskaliert die Situation, das polnische Sonderkommando sprengt das Krematorium 3. Dies ist das Startsignal für das ungarische Kommando. Sie haben vorher Waffen organisiert und auch Sprengstoff. Sie eröffnen das Feuer auf die Wachmannschaften und es entwickelt sich ein heftiger Schusswechsel. Die SS gewinnt zunehmend die Oberhand schlägt den Aufstand nieder. Zuvor gelingt es den Juden noch das Krematorium 1 zu zerstören. Alle Mitglieder der Sonderkommandos werden von der SS ermordet. Die Gaskammern und Krematorien jedoch sind zerstört und werden von den Nazis nicht wieder aufgebaut.

 

Immer wieder tauchte auf dieser Studienfahrt die Frage auf, warum die Juden sich nicht gewehrt haben, warum haben sie sich so massakrieren lassen.

 

Krystina, unser Guide, erzählte uns, dass Widerstand oder gar ein Aufstand immer auch eine Organisation, Disziplin, möglichst auch militärische Erfahrung und eine Führung haben muss. Diese Seiten waren unter der jüdischen Bevölkerung zu schwach entwickelt. Zu den genauen Hintergründen kann ich gar nicht viel sagen, dass weiß ich nicht. Dort jedoch, wo es diese Seiten gab, da gab es auch organisierten Widerstand, so im KZ Sobibor, in dem u.a. jüdische sowjetische Kriegsgefangene der Roten Armee inhaftiert waren. Sie verfügten über militärische Erfahrung und Organisationsdisziplin.

 

Ich möchte zum Schluss noch einen wichtigen Satz von Krystina aufgreifen, den sie uns bei der Führung durch Auschwitz-Birkenau sagte. Sie sagte sinngemäß: “Das Böse konnte nur so stark werden, weil das Gute so wenig dagegen getan hat.“ Ich möchte daher alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auffordern, sich rassistischem Gedankentum überall, wo es auftritt entgegen zu stellen. Und es ist wichtig, sich zu dagegen auch zu organisieren, z.B. in antifaschistischen Initiativen oder auch in den Gewerkschaften.

Oliver

 

 


Der Tag 4: Ein Tag in Krakau

Der Tag heute hatte es in sich. Bereits um 7 Uhr gab es Frühstück und um 8 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Krakau.

Dort trafen wir uns zunächst mit Monika Goldwasser zu einem Zeitzeugengespräch, anschließend wurden wir durch das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz und die Altstadt geführt. Nach einer kleinen Stärkung hatten wir Zeit für eine kleine Shopping-Tour und besuchten dann die Ausstellung „Krakau zwischen 1939 und 1945“ in der ehemaligen Schindler-Fabrik. Abschließend lernten wir die heutige jüdische Kultur bei Livemusik und koscherem Essen im Klezmer Hois kennen.

Nach 15 Stunden kehrten wir zurück ins Zentrum für Dialog und Gebet. Wir waren müde und erschöpft, aber voller neuer Eindrücke – lesen Sie mehr:

 

Das Zeitzeugengespräch mit Monika Goldwasser

von Karina

 „Ich hatte zwei Mütter – Salomea, die mich geboren hat, und Anna, die mich gerettet, aufgezogen und geliebt hat. Meine polnischen Adoptiveltern hatten mich aus dem Ursulinenkloster in Krakau geholt, wohin mich meine leiblichen Eltern abgegeben hatten. Sie hatten gespürt, dass dies der einzige Weg war, um mein Leben zu retten (angesichts der drohenden Ermordung). Die Wahrheit erfuhr ich von meiner Adoptivmutter Anna auf deren Sterbebett, obwohl sie schon häufig kurz davor gewesen war, das Geheimnis eher zu verraten.“

Worte von einer Frau, die als Kind den Holocaust überlebte. Sie nahm sich die Zeit uns über ihr damaliges Leben zu berichten. Sie erzählte uns erst über ihre leiblichen Eltern, die beide jüdischer Herkunft waren und in Krakau lebten. 1941 befahl man ihnen in ein Dorf außerhalb von Krakau umzusiedeln, zu diesem Zeitpunkt war Salomea gerade schwanger. Anfangs war das junge Paar voller Hoffnung, als sie jedoch sahen, wie eine andere jüdische Familie erschossen wurde, war ihnen klar, dass die Juden nicht überleben werden. Um ihrem Kind ein Leben zu ermöglichen, beschlossen sie, ihr Kind zur Adoption freizugeben. So kam Monika Goldwasser in ein Kloster.

Während Monika adoptiert wurde, wurde das ganze Dorf gezwungen sich zu versammeln. Die Pferdewagen standen bereit, um die Bewohner ins Konzentrationslager zu bringen. Dabei hatte Monikas Mutter eine mutige Idee, damit bei der Zählung nicht auffiel, dass eine Person – Monika – fehlt, hielt die Mutter statt ihres leiblichen Kindes eine Puppe im Arm. Monikas leibliche Eltern wurden umgebracht.

Monika wurde von Anna, ihrer Adoptivmutter, aus dem Kloster mitgenommen weil sie die Traurigkeit in den Augen des Kindes gesehen hat. Die Familie musste bis Kriegsende immer wieder umziehen und sich verstecken. Dennoch sagt Monika Goldwasser heute, dass sie eine glückliche Kindheit hatte. Für ihre Pflegeeltern hat sie die Medaille für die Gerechten unter den Völkern in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem beantragt.

In Ihrer Ansprache während der feierlichen Verleihung der Medaille „Gerechte unter den Völkern“ betont sie:

„Mein Leben verdanke ich der Tapferkeit, der Hingabe und dem Widerstand gegen den Tod. Mir ist bewusst, wie viel Angst meine polnischen Eltern vor der Enttarnung hatten – uns allen drohte der Tod! (...) Meine polnische Mutti erfüllte den größten Wunsch meiner jüdischen Mutti Salomea – sie überwand ihre eigene Angst, um mich zu retten, und sie überschüttete mich mit ihrer Liebe. Sie ersetzte die Liebe der Frau, die mich zur Welt gebracht hatte und die man nicht hatte leben lassen. Niemals werde ich Feindseligkeit zwischen Menschen und Völkern akzeptieren. Güte ist der höchste Wert!“ http://www.galiciajewishmuseum.org/media/attachment/file/1008_Swiadkowie_historii_niemiecki_final.pdf, 22.10.2017

Wir alle sind dankbar darüber, dass wir eine der letzten Generationen sind, die das Privileg haben eine Zeitzeugin kennenzulernen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Führung durch das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz und die Altstadt von Krakau

von Sidney Heyer, Laura Domogalla und Lina Schöne

Zuerst sahen wir uns die alte Synagoge an. Von dort aus gingen wir zu einem Gedenkstein, an welchem uns erklärt wurde, dass man einen Friedhof, eine Synagoge und eine Mikwe (Tauchbad der Reinigung) braucht, um eine jüdische Gemeinde zu gründen. Nachdem wir uns eine gebaute Laubhütte (Laubhüttenfest) und die Synagoge Tempel angeschaut haben,ging es weiter in die Krakauer Altstadt. Dort starteten wir mit der Besichtigung der Wawel, welches ein Symbol des polnischen Staatswesens ist. In einer Steinhöhle unterhalb der Wawel fand man im Mittelalter ungewöhnliche Gebeine, welche man für Teile eines Drachenskeletts hielt. So entstand die Legende des Drachen von Krakau. Die Gebeine identifizierte man jedoch später als ein Nashorn Schädel, eine Wal Rippe und zwei Mammut Stoßzähne. Noch heute ist die Drachenstatue ein beliebtes „Klettergerüst“ und speit alle 3 bis 5 Minuten Feuer. Außerdem ist der Drache als Kuscheltier in jedem Souvenirshop der Wawel erhältlich. Weiter ging es zum Mittelpunkt der Altstadt, dem Marktplatz.

 

 

 

 

 

 

 

 

Shopping in Krakau

Ausgestattet mit Stadtplan und etwas Verpflegungsgeld hatten wir vier Stunden Freizeit, die wir individuell gestalten konnten. Einige nutzten die Zeit um zu essen, andere gingen shoppen oder erkundeten einfach weiter die Umgebung. Um 17:30 Uhr trafen wir uns an der Marienkirche und fuhren mit Golfcar ähnlichen Fahrzeugen zu der Schindler-Fabrik.

Weiter geht´s zur ehemaligen Schindler-Fabrik

 

 

„Krakau zwischen 1939 und 1945“ in der ehemaligen Schindler-Fabrik

von Johanna Kohl & Merle Ingensiep

Unsere Erwartungen, mehr über Schindler und seine Fabrik zu erfahren, verflogen bereits, als wir das neuaussehende Gebäude sahen. Im Museum bekamen wir eine zügige Führung, bei der wir eher weniger die Ausstellung wahrnehmen konnten. Wir hatten wenig Zeit, um uns in die Bilder, Gegenstände und Texte zu vertiefen. Zudem waren die Räume zu klein, um in der Gruppe alles wahrnehmen zu können. Durch die Referentin erfuhren wir eher weniger über Schindler und seine Fabrik, sondern bekamen viele Informationen über das Leben der Juden zur Zeit des Nationalsozialismus (Ghettos).

Spannend war, dass wir einige Drehorte des Filmes „Schindler Liste“ zu Gesicht bekamen. Außerdem konnten wir mehrere originale Gegenstände aus der Schindler Fabrik vorfinden, beispielsweise diesen Schreibtisch und die Landkarte, die Sie auf dem hinzugefügten Bild betrachten können.

Nach der informativen Führung ging es zurück ins jüdische Viertel.

 

 

Jüdische Kultur im Klezmer Hois

von Meike Schöps

Wie sieht das jüdische Leben heute aus? Bei einem geselligen Abend erhielten wir bei Livemusik im Klezmer Hois und koscherem Essen einen Eindruck. Das koschere Drei-Gänge-Menü bestand aus Zwiebelsuppe, Hähnchen mit Ingwer-Möhren und Rotkohl sowie Früchtebrot zum Nachtisch, polarisierte zwar, aber die begleitenden Klänge der Klezmer-Musik trugen zur Entspannung bei.

 

 

 

 

 


Tag 5: Stadtbesichtigung von Auschwitz

von Julia Drilling

Heute machten wir eine Stadtführung, welche von einer jungen Frau aus Deutschland geleitet wurde, sie verbringt ein freiwilliges Jahr im Zentrum für Dialog und Gebet.

Die Führung begann am Schloss der Stadt Oswiecim und führte dann durch die jüdische Gasse an der Vodka-Fabrik Haberfeld vorbei. Am Ende der Gasse steht eine große katholische Kirche, dort steht ein Zitat an einer Hauswand vom Papst Johannes Paul II.:

 

 

 

 

 

 

 

 

„Antisemitismus ist ein Verbrechen gegen Gott und die Menschen“.

Danach folgte der Marktplatz unter dem sich ein Bunker befindet. Dieser fand nach dem zweiten Weltkrieg keinen Gebrauch mehr und wurde dann zu einem Schuhladen umfunktioniert und heute sind dort Ausstellungen durch Glaskästen zu betrachten. Anschließend hatten wir noch eine Führung durch das jüdische Museum, in dem sich die einzige Synagoge der Stadt befindet.

Ich fand es besonders interessant, eine andere Seite der Stadt kennzulernern.

 

 

Eindrücke der nationalen Ausstellung im Stammlager

von Isabell Klotzsch und Lisa Pannhausen

In unterschiedlichen Blocks im Stammlager Auschwitz I stellen Länder, wie Polen, Russland, Tschechien und Belgien, ihre Eindrücke des zweiten Weltkrieges dar. Hierzu beziehen wir uns speziell auf die Länder Belgien, Niederlande und Tschechien.

Dadurch, dass wir die Ausstellung eigenständig erkunden konnten, empfanden wir die Atmosphäre beklemmender, als zuvor bei der Führung mit einem Guide durchs Stammlager.

Unser Wohlbefinden wich in den unterschiedlichen Blocks voneinander ab. Beispielsweise in Tschechien… Dort waren wir die einzigen zwei Besucher, die Ausstellung war dunkel gehalten, plötzlich ertönten eingespielte Stimmen aus Lautsprechern. Wir verließen diesen Block daraufhin ziemlich rasch. Im Block der Niederlande, war es hell gestaltet, ohne Effekte.

Wir können trotzdem nicht davon reden, dass es dort eine angenehme Stimmung war, denn dafür ist der Hintergrund der Thematik zu dunkel.

Kurz etwas zur Konzipierung der Ausstellungen der verschiedenen Länder:

Besonders beeindruckend, empfanden wir den Block der belgischen Ausstellung. Dort war eine Art Labyrinth, gestaltet aus großen Tafeln, bestehend aus Fotos.

 

 

 

In einem anderen Raum fand man diese Tafeln, bedruckt mit unzählige Verordnungen des Militärbefehlshabers „gegen“ die jüdische Bevölkerung vor.

Verordnung der Kennzeichnung der Juden,

vom 27. Mai 1942

-          §1

Juden, die das sechste Lebensjahr vollendet haben, ist es verboten, sich in der Öffentlichkeit ohne Judenstern zu zeigen.

 

 

Erwähnenswert zu der niederländischen Ausstellung ist, dass sich diese mit den Lebensgeschichten und Schicksalen einiger niederländischer Familien auseinander setzt. Wir sahen Fotogalerien, Dokumente und persönliche Geschichten zu diesen Familien.

 

Wir sind uns einig, dass es einige Zeit benötigt, um sich über jeden Block, sprich jedes Land mit dessen Bezug zu diesem historischen Ereignis, einen Eindruck zu verschaffen… gerade aufgrund der verschiedenen Arten der Präsentation.

 

 

 

 

 

 


Abschlussreflexion 22.10.2017

von Meike Schöps

Zum Abschluss reflektierten wir die vergangenen Tage. Ausgangspunkt waren die Fragen: „Was hat mich, warum berührt? Was nehme ich mit? Hier einige zusammenfassende Eindrücke:

  • Die Haare gehen mir nicht mehr aus dem Kopf.
  • Die vielen Fotos von den Menschen im Stammlager I, die über 6 Millionen Opfer haben ein Gesicht bekommen.
  • Die Bilder und Videos von den Menschen bevor sie ins Konzentrationslager gekommen sind, zeigen, dass sie einfach aus ihrem normalen Leben, was wir auch führen, gerissen worden sind.
  • Die Live-Musik im Restaurant war ein schöner Moment. Ich habe gemerkt, wieviel wir haben im Gegensatz zu früher. Ein Bett, das wir nicht teilen müssen, ein eigenes Bad….
  • Dafür sollten wir dankbar sein.
  • Das Unfassbare ist ein bisschen greifbarer geworden.
  • Die persönlichen Gegenstände – Es ist ein Unterschied, es zu hören oder zu sehen.
  • In der nationalen Ausstellung war ein Holztunnel, am Ende sah mein ein Grab, ich wollte dorthin laufen und beim Betreten des Tunnels hörte ich Kindergeschrei. Ich konnte weggehen, aber die Menschen früher mussten es aushalten.
  • Mich hat die Kinderkleidung berührt. Ich habe an meine Geschwister gedacht und mich gefragt, was würdest du tun, wenn du von deiner Familie getrennt wirst.
  • Der Raum in Birkenau (Anmerkung: Sauna genannt), in dem die Häftlinge sich ausziehen mussten und ihnen die Haare geschoren wurden. Ich verstehe nicht, dass Menschen so hassen konnten und es heute in der Welt immer noch so viel Hass gibt.
  • Als wir an der Wiese in Birkenau waren und Krystina sagte, dass dort überall die Asche der Opfer liegt, wusste ich nicht, wo ich hintreten sollte.
  • In Birkenau sah man die Schiene und die Rampe und durch den Nebel verschwand alles im Nichts.
  • Ich habe in der Liste der Opfer meinen Familiennamen entdeckt und war froh, dass ich nicht die Vornamen meiner engsten Familienmitglieder gelesen habe.

Was nehme ich mit?

  • Das Gefühl durch den Gang mit den vielen Fotos von den Opfern zu laufen.
  • An den Bildern, bevor sie gestorben sind, wird deutlich, dass es immer wieder passieren kann.
  • Der Gedanke, dass ich weiß, es freut sich jemand auf uns, wenn wir nach Hause kommen, macht mich dankbar. Dankbar dafür, dass ich ein zu Hause habe und nicht in dieser Zeit leben muss.
  • Die Wichtigkeit des Themas
  • Das Ausmaß ist unbegreiflich.
  • Man kann es trotzdem nicht so richtig „glauben“, es ist nicht real.
  • Dankbarer im Leben zu sein.
  • Wie schwierig es ist, Widerstand zu leisten.
  • Alles zu tun, damit es nicht wieder passiert.

 


Wieder zu Hause

Fünf Tage in Auschwitz waren eine intensive und bereichernde Zeit in einer Gruppe mit gemeinsamen und individuellen Erfahrungen. Doch was erwartet mich zuhause, was werde ich erzählen, kann ich diese Erfahrung überhaupt mitteilen? Dazu Gedanken einiger Teilnehmer:

Guten Abend Frau Schöps.
Mein Text wird voller Rechtschreibfehler sein und sicher auch sehr durcheinander, zu kognitiver Anstrengung und Förmlichkeiten bin ich gerade einfach noch nicht bzw, nicht mehr in der Lage..
Ich habe es geschafft, ich liege nun im Bett, in meinem Bett. Fangen wir doch von vorne an. Ich wurde von meinen Eltern freudig erwartet und habe ihnen volle zwei Stunden über die Fahrt berichtet, und das reichte immer noch nicht aus. Besonders die Gefühle und Emotionen, die man vor Ort erfahren hat, sind schwer zu beschreiben und für andere begreiflich zu machen. Meine Mama jedoch sagte, ihr hat diese Berichterstattung schon gereicht, sie wäre nicht in der Lage an diese Orte zu gehen und ich habe ihre Hochachtung. Anschließen traf ich mich noch etwas mit einer Freundin, erzählte auch ihr grob die Geschehnisse und Eindrücke der vergangenen Tage. Meine Mutter hatte erst vor zum Abendessen Pfannekuchen zu machen, mein Lieblingsessen. Sie hatte allerdings auch einen harten Tag und wir beschlossen, dies zu verschieben. Meine Eltern aßen Brot und ich nahm mir einfach einen Joghurt. Ganz anders als bei manch anderen der Gruppe, welche tatsächlich dickes Essen hatten, was sie auch wählen konnten. Mir ging es heute Abend eher einfach darum, nicht hungrig zu Bett gehen zu müssen. Natürlich auch wieder mit dem Gedanken an die Opfer in Auschwitz. Dadurch, dass ich heute direkt noch etwas für die Schule tun musste und den Gedanken daran, morgen um 10 Uhr auf der Arbeit zu stehen, fiel es mir schwer, abzuschalten. Abgesehen davon habe ich gemerkt, sobald ich nur auf bekannten Straßen selbst wieder unterwegs war, dass man quasi von jetzt auf gleich wieder aus dieser Thematik `rausgezogen wurde und im hier und jetzt stee. Schade, ich hätte gerne noch etwas Zeit gehabt um mich mental wie körperlich davon zu "erholen". Dies machte mir nochmal deutlich, wie wichtig dieser Teil der Geschichte ist, und wie wichtig es ist, dass es in allen Schulen und Bildungsgängen sowie auch im Alltag thematisiert wird. Diese Zeit darf nicht in Vergessenheit geraten. Aber ich merke, dass es im gewohnten Alltag sehr schwer ist. Man ist mit so vielen Dingen beschäftigt.. jeder hat seine Probleme und seinen Rhythmus. Es fühlt sich irgendwie schon wieder so fern an, so irreal… Dabei war ich heute Morgen noch direkt vor Ort. Andererseits ist es doch so nah, denn die Eindrücke und Emotionen, die ich die letzten Tage erlebt habe, haben für mich so einen hohen Stellenwert und keiner kann sie mir nehmen. Ich werde versuchen, diesen historischen Teil mehr in meinen Alltag einzubinden. Durch Dokus, gewissenhaftere Entscheidungen oder Handlungen und einfach das Gedenken. Ich bin unbeschreiblich froh an dieser Reise teilgenommen zu haben, es war mir sehr wichtig. auch wenn es sehr viel war und anstrengend. Psychisch wie auch physisch. ich denke, ich werde mir in stillen Momenten zwischen dem stressigen (Arbeits)alltag noch sehr viele Gedanken darüber machen, was auch sein muss, um diesen Informationsfluss zu bearbeiten und verarbeiten. Nun werde ich schlafen, um mich morgen auf meine Arbeit und die Klienten konzentrieren zu können. Ich wünsche eine angenehme Nacht,
 

Wieder zu Hause … ein tolles Gefühl nach einer emotionalen Reise. Nach Hause kommen bedeutet oft Alltag. Es warten Pflichten auf einen und ich habe es bisher als selbstverständlich angesehen, das Zuhause jemand auf mich wartet. Meine Familie. Auf dieser Reise habe ich erfahren dürfen, wie wertvoll es ist, Familie zu haben und Pflichten erledigen zu dürfen, über die ich mich sonst oft ärgere. Pflichten, die die Gefangenen früher mit Freude erledigt hätten zu Hause gemeinsamen mit ihren liebsten. Es war schön, die Tür zum vertrauten Heim rein zu gehen und meiner Familie in die lächelnden Gesichter zu schauen. Freude, dass man zurück ist und wieder komplett ist. Ich habe dieses Wiederkehren diesmal mit anderen Augen gesehen und mit einer größeren Freude durchlebt da mir in Auschwitz bewusst geworden ist wieviel Millionen von Menschen, die früher gefangen waren, an meiner Stelle wären. In diesem Sinne genieße ich den heutigen Abend noch mit meinen liebsten und bedanke mich für die eindrucksvolle Erfahrung, die ich gemeinsam mit der Gruppe machen durfte.
 

Hallo Frau Schöps,
Hier meine aktuellen Gedanken:

"Wieder zu Hause"
Mich hat der Alltag ganz schnell wieder eingeholt. Eine gestresste Mama wartet am Bahnhof, zu Hause kurz die Tiere begrüßt und dann ist direkt die Wäsche dran gewesen. Zeit, um über die Geschehnisse zu sprechen, gab es noch nicht. Dafür brauche ich nämlich viel Zeit, da es ja doch einiges zu erzählen gibt. Jetzt bin ich auf dem Weg zu einer guten Freundin und ihrer kleinen Tochter, die ich erstmal durchknuddeln werde. Trotzdem ist das nach Hause kommen diesmal anders. Ich bin dankbar, dass es überhaupt Menschen gibt, die sich darüber freuen, dass ich wieder "da" bin.

 

Guten Abend Frau Schöps,

ich bin mittlerweile bei meinem Freund angekommen.

In Duisburg wurden Jenny und ich abgeholt. Ab und zu haben wir geäußert, dass wir ziemlich froh sind, eine vertraute Umgebung sehen. Zuhause wurde ich mit einem Abendessen begrüßt und erzählte viel von der Fahrt. Danach kam die alte Routine zurück. Koffer ausräumen, Wäsche einräumen und schließlich meine Tasche packen. Mein Freund holte mich ab. Morgen beginnt der Alltag, und doch nehme ich sowohl schöne als auch emotionale Erinnerungen mit.

Ich bin ziemlich froh mitgefahren zu sein.

 

 

Go to top