Studienfahrt Berufspraktikanten Heilerziehungspflege 01.- 05.04.2019

Montag bis Freitag, wenig Schlaf, gesunde feste und flüssige Nahrung...

Eine Studienfahrt nach Berlin kann zum wahren Jungborn werden.

Die Gesichter im "Ersatz"-ICE (Dank an die DB) bei der Rückfahrt waren eindeutig. Es hat Spaß gemacht UND es war anstrengend.

Wir hatten einen vollen Terminkalender. Drei Berührungen möchte ich exemplarisch erwähnen.

In der Gedenkstätte des ehemaligen Stasigefängnisses in Hohenschönhausen wurden wir von einem ehemaligen Häftling durch die Orte seines eigenen Martyriums geführt. Er wurde dort unter unbeschreiblichen Bedingungen inhaftiert, verhört und gefoltert. Er wurde geschlagen und hat uns seine noch immer gezeichneten  Schienbeine gezeigt. Die schlimmste Foltermethode war allerdings der Schlafentzug. Alle drei Minuten wurden die Häftlinge mit Schlägen gegen die Tür und Licht aus dem Schlaf gerissen. Er berichtet, dass er jegliches Zeitgefühl verloren habe und alle Erinnerungen nach und nach verblassten. Er hatte seine Identität verloren. Die ehemaligen Stasi-"Erzieher" wohnen zum Teil übrigens noch immer in der Nähe und beziehen staatliche Ruhestandsgelder.

Im inklusiven Theater Ramba Zamba wurden wir von einer Theaterpädagogin und ihrem Ensemble begrüßt. Zu diesem gehörte übrigens auch Juliane Götze, die zuletzt in "Letzte Spur Berlin" im Fernsehen zu sehen war. Ohne viele Worte zu verlieren wurden wir "aufgewärmt". Die SchauspielerInnen machten Übungen zur Lockerung vor und wir machten diese nach und kamen dabei an unsere Grenzen. Eine Ausnahme machte Herr Kuhn, der durch einen wirklich guten Hüftschwung auf sich aufmerksam machte. Weiter ging es mit Impro-Übungen, bei denen schnell klar wurde, wer von unseren BPs lieber auf die und wer lieber hinter die Bühne möchte.

Ganz weit im Osten besuchten wir die psychiatrische Klinik Königin Elisabeth Herzberge. Diese Klinik hat sich als eine von wenigen in Deutschland auf das Klientel Menschen mit geistiger Behinderung und psychiatrischer Diagnose spezialisiert. Der Pfegedirektor Christoph (die "Du-Ebene" ist auch programmatisch für die flache Hierarchie) hat uns begrüßt und in die Arbeit eingeführt und mehrfach darauf hingewiesen, dass er gerne Bewerbungen aus unserem Kreis entgegen nehmen würde. Im Anschluss berichtete uns Hannah über die praktische Arbeit in der Klinik. Sie hat im letzten Jahr diesen Schritt gewagt und ist vom beschaulichen Kamp-Lintfort nach Berlin gezogen. Ihr Vortrag hat uns alle schwer beeindruckt und Interesse an der Arbeit (und an Berlin) geweckt.

Ich möchte allen danken, die uns in Berlin an ihrer Arbeit teilhaben ließen. Jeden von uns hat etwas anderes berührt. Mitgenommen haben wir alle etwas.

Danken möchte ich auch allen Berufspraktikanten. Sie haben Interesse gezeigt und sich auf die verschiedensten Angebote eingelassen. Auch die vielen Gespräche zwischendurch, im Durcheinander beim Umsteigen in der Friedrichstraße oder beim Absacker in der Hotelbar, haben viel Spaß gemacht.

Ein letzter Dank gilt dem Organisationsduo Ulrich Böhmer und Wolfgang Kuhn, die ein tolles Programm auf die Beine gestellt haben und wahrscheinlich auch die richtige S-Bahn von Timbuktu nach Oberammergau gefunden hätten.

Dir Wolfgang wünsche ich nach vielen Jahren BP-Fahrt einen angenehmen Ruhestand. Mit Dir würde ich immer wieder fahren!

Hartmut Schmidt