3. Tag 27.03.2015

Der Vormittag – Führung in Birkenau von Julian Cassel und Axel Siemes

Am 27. März bzw. am 3. Tag unserer Reise nach Auschwitz besuchte die Gruppe bei strömenden Regen das Vernichtungslager Birkenau-Auschwitz 2.

Der Komplex von Birkenau  war noch größer als der des ersten Lagers und war einzig und allein zur Tötung der inhaftierten Häftlinge aufgebaut worden.

Unsere Gruppe wurde von derselben Frau durch das Vernichtungslager geführt, die bereits am vorherigen Tag, die Leitung der Führung übernommen hatte.

Bei der ansprechenden Führung sahen wir verschiedene Einrichtungen, die für die Gefangenen errichtet worden waren, wie beispielsweise die Baracken.

Die Baracken waren fundamentlose, billige Unterkünfte, die für die Häftlinge aus Holz oder Stein errichtet worden waren.

In den Baracken gab es dreistöckige hölzerne Pritschen, als Schlafgelegenheit für die Gefangenen. Die Pritschen waren für 2- 3 Menschen gebaut worden, aber die Häftlinge wurden von den Aufsehern dazu gezwungen eine Pritsche mit mindestens 7 Menschen zu belegen.

Nach der Besichtigung der Baracken wurden wir in den Waschraum geführt, der „Sauna“ genannt wurde. In dieses Gebäude wurden die Häftlinge unmittelbar nach ihrer Deportierung gebracht und dort mussten sie ihre Kleidung abnehmen und ihnen wurden die Haare am ganzen Körper entfernt. Anschließend ging es unter die Dusche, wo sie entweder mit extrem heißem oder eiskaltem Wasser überrascht wurden. Nach der Dusche gab es kaum Gelegenheit sich abzutrocknen. Die Inhaftierten mussten sich nackt auf den Betonboden setzen und auf ihre oftmals unpassende Häftlingskleidung warten. Diese entwürdigende Aufnahmeprozedur konnte bis zu 22 Stunden dauern.

Unfassbarer war die Präsentation der Hygienebaracken. Dort sahen wie eine Art Steinbank, in die eng nebeneinander Löcher eingearbeitet (siehe Foto) wurden. Hier waren die Häftlinge gezwungen ihre Notdurft zu verrichten. Dies mussten sie innerhalbe eines begrenzten Zeitrahmens  erledigt sein– der Capo (Funktionshäftling) zählte bis zehn. Innerhalb einer Stunde wurden morgens vor und abends nach der Arbeit 200 Häftlinge durchgeschleust. Zu anderen Zeiten durften die insgesamt drei Hygienebaracken für das gesamte Lager nicht benutzt werden. Zur Höchstzeit „lebten“ 100000 Menschen in Birkenau.

 

 

 

 

Eindruck von Meike Schöps

Als Deutschlehrerin habe ich natürlich wieder dafür gesorgt, mein Bücherregal aufzufüllen. Beim Blick in diese Bücher habe ich folgendes Gedicht gefunden, was den heutigen Vormittag für mich treffend zusammenfasst:

Die Symbole von Auschwitz

Im Kot von Auschwitz, in den Gräbern des Lagers,

Auf Holzbetten von dem Block –

Überall – Leichen halbnackter Frauen,

Wohin nur das Auge reicht.

 

Ebenholzschwarze Augen der Italienerinnen,

Noch weit geöffnet,

Und helle Leiber abgemagerter Polinnen –

Liegen herum im Kot.

 

Überall – die Leichen der Frauen Europas,

Die bis vor kurzem so schön waren.

Heute fressen von ihren Leibern die Ratten

Mit unheilverkündendem Pfeifen.

 

Leichen und Kot, Typhus und Krätze,

Läuse, von denen die Wunden voll sind

Phenol und Rauch – die Symbole von Auschwitz,

Kolonnen von Menschen, die in die Öfen gehen.

 

von MONIKA DOMBKE; geb. Zatka (1920); Birkenau 1943

 

Der Nachmittag: Arbeit im Archiv im Stammlager Auschwitz I von Vivien und Marian Hegel

Heute Nachmittag waren wir im Archiv, welches sich im Stammlager 1 in Auschwitz befindet. Wir haben nach Informationen über Menschen aus Moers und Umgebung gesucht, die in Auschwitz gelebt haben und ermordet wurden. Nachdem wir wegen des Regens teilweise nass ankamen, wurden wir zunächst kontrolliert und mussten unsere Taschen aus Sicherheitsgründen abgeben. Als es dann endlich losging, erklärte uns eine Frau zuerst einmal wie und wo wir am besten nach Informationen suchen konnten, um möglichst viel heraus zu finden. Bereits zu Hause hat sich jeder Schüler eine Person ausgesucht, welche in Moers gelebt hat und während des Krieges nach Auschwitz deportiert wurde. Als wir dann loslegen konnten, wurde uns schnell klar, dass sich die Suche doch nicht so einfach gestaltete, wie wir uns das anfangs vorstellten. Die Informationen, die wir fanden, beschränkten sich sehr oft auf den Namen, die Geburtsdaten und das Datum der Deportation. Nicht selten gab es keine Todesursache oder die Häftlinge waren ''verschollen'' oder wurden ''für Tod erklärt''. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass es für die möglichen Verbliebenen der Familien schrecklich sein musste bzw. sein muss, nicht zu wissen, was mit ihren Lieben letztendlich passiert ist. Obwohl wir so weit weg von zu Hause sind, haben wir einige Namen von Juden gefunden, die früher in unserer Umgebung gelebt haben. Uns wurde besonders hier bewusst, wie groß die Ausmaße gewesen sein müssen, wenn jüdische Menschen fast 1070 Kilometer von ihrem zu Hause nach Auschwitz gebracht wurden. Außerdem hatten wir die Möglichkeit zusätzlich nach Namen und Informationen unserer Familien zu suchen. Wir persönlich haben nichts gefunden. Dennoch können wir uns gut vorstellen, was für ein Schock es sein müsste, den Namen eines früheren Familienmitgliedes zu finden und dessen Schicksal zu recherchieren. Dadurch, dass viele Schüler keine Informationen über ihre jeweiligen Personen haben, wurde uns bewusst, dass es im Konzentrationslager nicht selten dazu kam, dass die Existenz vieler Menschen komplett ausgelöscht wurde und somit niemand wirklich weiß, was mit ihnen passiert ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Abend von Gunda Wittich

Unsere obligatorische Abendrunde verdeutlichte wieder die vielfältigen, individuellen Eindrücke der Schülerinnen und Schüler. Wir Lehrer sind beeindruckt, wie intensiv sich alle auf diese Runden einlassen. Heute haben es auch alle pünktlich geschafft.

Beim Chillen oder Tischtennisspielen wird der Kopf nun wieder frei für den morgigen Tag. Dann geht’s auf nach Krakau!