Am Mittwoch, den 25.März 2015 sind wir nach Auschwitz gefahren: eine Gruppe von 26 SchülerInnen und Studierenden des HGB, bunt gemischt aus den Klassen des Beruflichen Gymnasiums, der FOS und der Heilerziehungspflege, und 4 BegleitlehrerInnen.

Es geht nach Auschwitz, in die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager der Deutschen in Polen in der Nähe von Krakau.
Wir sind gespannt! In mehreren Treffen haben wir uns vorbereitet, haben Texte gelesen und Filme angeschaut.Und jetzt geht es los. Wir freuen uns auf einen Zeitzeugen, interessante Gespräche und Begegnungen, eindrückliche Erfahrungen und viel Austausch darüber!


Erleben Sie mit, was wir hier in der Zeit vom 25.-30. März erlebt haben!
Gunda Wittich, Organisatorin der Fahrt

 


1. Tag 25.03.2015

Der Vormittag – Flug und Anreise von  Kübra Cankaya und Steffi Kraut

Unsere gemeinsame Studienfahrt nach Auschwitz begann heute am Flughafen in Düsseldorf. Nach dem tragischen Absturz einer Germanwings-Maschine am Vortag waren wir alle sehr angespannt. Dennoch gaben einige unserer Reisegefährten den Kamerateams von Funk und Fernsehen bereitwillig Interviews. Schließlich haben dann alle durch aufmunternde Worte in unserer Gruppe den Weg ins Flugzeug gefunden.

Nach dem angespannten Flug waren wir alle froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Erleichtert stiegen wir bei strahlender Sonne aus dem Flugzeug in Katowice aus, tauschten unser Geld, packten unsere Klamotten und freuten uns auf die Ankunft im Gästehaus.
Doch zu früh gefreut, dann kam die Busfahrt…

Die Ankunft – 1. Eindrücke von Sharon Artz und Hanna Kaiser

… die Koffer waren schnell verstaut und alle mussten in den Bus einsteigen, der nicht nur aufgrund der dicken Winterklamotten gefühlte 50°C heiß war. Die nicht funktionierende Klimaanlage war leider auch keine große Hilfe. Plötzlich qualmten nicht nur wir, sondern auch der Bus. Nur der Busfahrer behielt einen kühlen Kopf, mit seinem langen Zopf.

Wer glaubte sich durch die Umgebung ablenken zu können, der irrte. Heruntergekommene Häuser, Brachflächen und vereinzelte Neubauten zieren die Landschaft.

Doch dann der Lichtblick – Das Zentrum für Dialog und Gebet, welches unserer Meinung nach eines der schönsten Gebäude der Stadt ist. Die Lobby wirkte auf den ersten Blick wie die eines gehobenen Hotels, die Zimmer dagegen eher altmodisch und schlicht. Nachdem wir unsere Zimmer erkundet hatten, machten wir uns frisch und waren endlich körperlich angekommen…

Der Abend: Gespräch mit Pfarrer Dr. Manfred Deselears von Meike Schöps

Die mentale Einstimmung folgte nach dem Abendessen. In einem beeindruckenden Vortrag, stimmte uns Pfarrer Dr. Manfred Deselears auf die kommenden Tage in Auschwitz ein.

Fragen wie:

  • Was ist hier passiert?
  • Was hat dieser Ort mit mir zu tun?
  • Wir sind zwar unschuldig, aber was sind wir schuldig?

werden Thema sein.

In seinem Vortrag berichtet er von über einer Millionen Opfer. Wie ist das möglich? Seine Antwort stimmt nachdenklich. Auch für ihn, der seit 25 Jahren in Auschwitz lebt, bleibt es unvorstellbar!

Er wünscht uns, dass der Horror von Auschwitz uns nicht lähmt, sondern uns ermutigt, dafür zu sorgen, dass es sich nicht wiederholt.

Das können wir heute noch nicht sagen, aber ab morgen werden wir intensiv mit dem Ort in einen Dialog treten und wir sind gespannt, was er uns zu erzählen hat.

 


2. Tag 26.03.2015

Der Vormittag – Führung im Stammlager Auschwitz I von Famke Greb und Anna Adam

Heute stand der Besuch im Konzentrationslager Auschwitz I an.

Wir waren alle sehr gespannt, was uns dort erwartet.

Gegen 9 Uhr betraten wir das Gelände des Stammlagers, der erste Eindruck war sehr unerwartet.

Es sah alles recht freundlich aus, bis wir bemerkten dass wir noch gar nicht auf dem richtigen Gelände waren, sondern nur auf dem Vorplatz des Museums.

Nachdem wir das bekannte Tor mit der Aufschrift „ARBEIT MACHT FREI“ passiert hatten, bemerkten wir, dass unsere Erwartungen doch wahr waren.
Ein tristes Gelände, umzingelt mit hohen Stacheldrahtzäunen, große Gebäude, ganz egal wohin man schaute und Wachpostentürme an jeder Ecke – uns war sofort klar: Damals gab es kein Entkommen.

Wir fühlten uns selbst direkt ein wenig eingesperrt, obwohl wir wussten, dass wir „nur zu Besuch“ dort waren. Ein beklemmendes Gefühl überkam einen, wenn man sich umblickte.

Als erstes führte die Museumsführerin uns in einige der Blocks. Es hingen Bilder an den Wänden, wie die Gefangenen damals in die KZs transportiert worden waren, außerdem auch Informationen zu den Menschenmassen, die in das Stammlager eingeliefert wurden.

Tonnenweise Haare der Gefangenen, Brillen, Koffer, Prothesen und ähnliches Auslagen verdeutlichten das Ausmaß und aus Zahlen wurden Menschen.

Unsere Gefühle wurden immer beklemmender.

Die Einsicht, dass diese Gegenstände alle von Menschen waren, die in diesem Lager ermordet worden waren, traf uns wie ein Schlag. Wir konnten das, was man aus Erzählungen, Filmen oder Büchern kannte, sich auf einmal noch viel lebhafter vorstellen. Wenn man sich umschaute, zeigte jedes Gesicht unserer Gruppe eine tiefe Betroffenheit, ob aus Schuldgefühlen, Trauer, Mitgefühl oder Wut, konnten wir nicht sagen. Aber diese Betroffenheit war nicht nur aus den Mienen der Menschen um uns herum, sondern auch aus der beklemmten Stimmung deutlich zu spüren.

Block Nr. 11 nahm uns persönlich besonders stark mit, da dort gezeigt wurde, unter welchen Umständen die Gefangenen leben mussten: Kleine Zellen mit einer Holzkiste als Toilette oder die Holzpritschen, die sie mit vielen Männern teilen mussten. Machten uns die wirklichen Lebensbedingungen erst richtig bewusst.

Im Keller des Gefängnisblocks wurde uns gezeigt, dass die Gefangenen auch zur Strafe manche Nächte zu viert stehend in einer 90 x 90cm großen Standzelle verbringen mussten. Der Keller war insgesamt sehr eng und schmal gebaut, sodass man durch die Masse der Besucher schon einen Eindruck bekam, wie überfüllt und beängstigend es auch damals dort gewesen ist.

Das schlimmste an diesem Besuch im Stammlager war für uns allerdings die Führung durch die Gaskammer. Am Eingang war ein Schild angebracht, auf dem um Ruhe gebeten wurde – Ein Zeichen des Respekts für die vielen ermordeten Menschen in diesem Gebäude.

Der größte Schock traf uns, als wir bemerkten, dass an den Wänden Kratzspuren der panischen, sterbenden, Menschen waren.

Dieser Tag ist für uns nicht so schnell zu verarbeiten und wird für immer in unserer Erinnerung Gedächtnis bleiben.

 

Der Nachmittag: Zeitzeugengespräch mit Arthur Krasnokucki von Sina Leenders und Laura Steinnes

Nachdem wir einige Stunden Zeit hatten, die Erfahrungen des Vormittags zu verarbeiten bzw. versuchten zu verarbeiten, ging es weiter mit dem Zeitzeugengespräch.
Mit gemischten Gefühlen gingen wir an die Sache `ran, da es für uns auf der einen Seite ein Privileg war, so etwas miterleben zu dürfen und auf der anderen Seite hatten wir Angst vor dem, was uns der jüdische Zeitzeuge, Arthur Krasnokucki, zu erzählen hat.

Auf uns wirkte er sehr fit und dabei ist zu beachten, dass er schon über 90 Jahre alt ist.

Seine vielen Geschichten trafen uns sehr, aber vor allem ging es uns sehr nah, als er anfing über seine eigene Geschichte zu erzählen. Dabei kam zur Sprache, dass er bis heute noch Albträume hat, in denen er sieht, wie Kinder aus den Armen ihrer Mütter von SS-Offizieren gerissen werden: „Die Kinder wurden zerrissen, eine Hälfte war in den Händen der Mütter, die andere in denen des SS-Mannes.“
Innerhalb der drei Stunden haben wir erfahren, dass er drei Konzentrationslager überlebt hat, seine Mutter neben ihm verhungert ist und sein Vater aus unerklärlichen Gründen plötzlich verschwunden ist.

Auch die Transporte in den Zugwagons beschrieb er sehr detailliert:

über 70 Personen in einem Wagon, ein Brot für jeweils 5 Leute, 2 Eimer und das über eine Woche

Sein Glück war es, dass er gelernter Elektriker war und somit der schweren, harten Arbeit in der Kälte in den Konzentrationslagern entkommen konnte. Vor allem hat er erwähnt, dass man sich dort Hoffnung gegeben hat, indem man sich eine „neue Familie“ aufgebaut hat, auch er hatte drei Freunde, welche er als Brüder sah.

Nachdem er das 3. Konzentrationslager überlebt hatte, folgte der Todesmarsch. Bei diesem gelang es ihm zu fliehen, indem er sich in einen Kanal flüchtete.

Um seine Worte zu wiederholen, er floh in „Scheiße und Urin“.

Nach einiger Zeit konnte er diesen jedoch verlassen und landete in einem bereits von den Amerikanern eroberten Dorf. Dieses war sicher und er konnte von nun an weiter leben, ohne in ständiger Angst vor der SS leben zu müssen.

Letztendlich kamen bei uns allen viele Emotionen hoch und es verdeutlichte noch einmal die Eindrücke, die wir schon heute Vormittag gemacht haben.

 

Für heute schließen wir mit einem Zitat aus dem Stammlager Auschwitz

„It happened, therefore it can happen again: this ist he core of what we have to say.“ (Primo Levi, italienischer Schriftsteller, der Auschwitz überlebte.)

 

 

 


3. Tag 27.03.2015

Der Vormittag – Führung in Birkenau von Julian Cassel und Axel Siemes

Am 27. März bzw. am 3. Tag unserer Reise nach Auschwitz besuchte die Gruppe bei strömenden Regen das Vernichtungslager Birkenau-Auschwitz 2.

Der Komplex von Birkenau  war noch größer als der des ersten Lagers und war einzig und allein zur Tötung der inhaftierten Häftlinge aufgebaut worden.

Unsere Gruppe wurde von derselben Frau durch das Vernichtungslager geführt, die bereits am vorherigen Tag, die Leitung der Führung übernommen hatte.

Bei der ansprechenden Führung sahen wir verschiedene Einrichtungen, die für die Gefangenen errichtet worden waren, wie beispielsweise die Baracken.

Die Baracken waren fundamentlose, billige Unterkünfte, die für die Häftlinge aus Holz oder Stein errichtet worden waren.

In den Baracken gab es dreistöckige hölzerne Pritschen, als Schlafgelegenheit für die Gefangenen. Die Pritschen waren für 2- 3 Menschen gebaut worden, aber die Häftlinge wurden von den Aufsehern dazu gezwungen eine Pritsche mit mindestens 7 Menschen zu belegen.

Nach der Besichtigung der Baracken wurden wir in den Waschraum geführt, der „Sauna“ genannt wurde. In dieses Gebäude wurden die Häftlinge unmittelbar nach ihrer Deportierung gebracht und dort mussten sie ihre Kleidung abnehmen und ihnen wurden die Haare am ganzen Körper entfernt. Anschließend ging es unter die Dusche, wo sie entweder mit extrem heißem oder eiskaltem Wasser überrascht wurden. Nach der Dusche gab es kaum Gelegenheit sich abzutrocknen. Die Inhaftierten mussten sich nackt auf den Betonboden setzen und auf ihre oftmals unpassende Häftlingskleidung warten. Diese entwürdigende Aufnahmeprozedur konnte bis zu 22 Stunden dauern.

Unfassbarer war die Präsentation der Hygienebaracken. Dort sahen wie eine Art Steinbank, in die eng nebeneinander Löcher eingearbeitet (siehe Foto) wurden. Hier waren die Häftlinge gezwungen ihre Notdurft zu verrichten. Dies mussten sie innerhalbe eines begrenzten Zeitrahmens  erledigt sein– der Capo (Funktionshäftling) zählte bis zehn. Innerhalb einer Stunde wurden morgens vor und abends nach der Arbeit 200 Häftlinge durchgeschleust. Zu anderen Zeiten durften die insgesamt drei Hygienebaracken für das gesamte Lager nicht benutzt werden. Zur Höchstzeit „lebten“ 100000 Menschen in Birkenau.

 

 

 

 

Eindruck von Meike Schöps

Als Deutschlehrerin habe ich natürlich wieder dafür gesorgt, mein Bücherregal aufzufüllen. Beim Blick in diese Bücher habe ich folgendes Gedicht gefunden, was den heutigen Vormittag für mich treffend zusammenfasst:

Die Symbole von Auschwitz

Im Kot von Auschwitz, in den Gräbern des Lagers,

Auf Holzbetten von dem Block –

Überall – Leichen halbnackter Frauen,

Wohin nur das Auge reicht.

 

Ebenholzschwarze Augen der Italienerinnen,

Noch weit geöffnet,

Und helle Leiber abgemagerter Polinnen –

Liegen herum im Kot.

 

Überall – die Leichen der Frauen Europas,

Die bis vor kurzem so schön waren.

Heute fressen von ihren Leibern die Ratten

Mit unheilverkündendem Pfeifen.

 

Leichen und Kot, Typhus und Krätze,

Läuse, von denen die Wunden voll sind

Phenol und Rauch – die Symbole von Auschwitz,

Kolonnen von Menschen, die in die Öfen gehen.

 

von MONIKA DOMBKE; geb. Zatka (1920); Birkenau 1943

 

Der Nachmittag: Arbeit im Archiv im Stammlager Auschwitz I von Vivien und Marian Hegel

Heute Nachmittag waren wir im Archiv, welches sich im Stammlager 1 in Auschwitz befindet. Wir haben nach Informationen über Menschen aus Moers und Umgebung gesucht, die in Auschwitz gelebt haben und ermordet wurden. Nachdem wir wegen des Regens teilweise nass ankamen, wurden wir zunächst kontrolliert und mussten unsere Taschen aus Sicherheitsgründen abgeben. Als es dann endlich losging, erklärte uns eine Frau zuerst einmal wie und wo wir am besten nach Informationen suchen konnten, um möglichst viel heraus zu finden. Bereits zu Hause hat sich jeder Schüler eine Person ausgesucht, welche in Moers gelebt hat und während des Krieges nach Auschwitz deportiert wurde. Als wir dann loslegen konnten, wurde uns schnell klar, dass sich die Suche doch nicht so einfach gestaltete, wie wir uns das anfangs vorstellten. Die Informationen, die wir fanden, beschränkten sich sehr oft auf den Namen, die Geburtsdaten und das Datum der Deportation. Nicht selten gab es keine Todesursache oder die Häftlinge waren ''verschollen'' oder wurden ''für Tod erklärt''. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass es für die möglichen Verbliebenen der Familien schrecklich sein musste bzw. sein muss, nicht zu wissen, was mit ihren Lieben letztendlich passiert ist. Obwohl wir so weit weg von zu Hause sind, haben wir einige Namen von Juden gefunden, die früher in unserer Umgebung gelebt haben. Uns wurde besonders hier bewusst, wie groß die Ausmaße gewesen sein müssen, wenn jüdische Menschen fast 1070 Kilometer von ihrem zu Hause nach Auschwitz gebracht wurden. Außerdem hatten wir die Möglichkeit zusätzlich nach Namen und Informationen unserer Familien zu suchen. Wir persönlich haben nichts gefunden. Dennoch können wir uns gut vorstellen, was für ein Schock es sein müsste, den Namen eines früheren Familienmitgliedes zu finden und dessen Schicksal zu recherchieren. Dadurch, dass viele Schüler keine Informationen über ihre jeweiligen Personen haben, wurde uns bewusst, dass es im Konzentrationslager nicht selten dazu kam, dass die Existenz vieler Menschen komplett ausgelöscht wurde und somit niemand wirklich weiß, was mit ihnen passiert ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Abend von Gunda Wittich

Unsere obligatorische Abendrunde verdeutlichte wieder die vielfältigen, individuellen Eindrücke der Schülerinnen und Schüler. Wir Lehrer sind beeindruckt, wie intensiv sich alle auf diese Runden einlassen. Heute haben es auch alle pünktlich geschafft.

Beim Chillen oder Tischtennisspielen wird der Kopf nun wieder frei für den morgigen Tag. Dann geht’s auf nach Krakau!


4. Tag 28.03.2015

Der Vormittag – Führung durch Schindlers Fabrik von  Laura Warnken und Kim Denz

Mit großen Erwartungen mehr über Schindler, seine Fabrik und den historischen Hintergrund zu erfahren, sind wir ins Museum nach Krakau gefahren. Dort angekommen, wirkte bereits das neu aussehende Gebäude fragwürdig – es schien nicht wirklich in die damalige Zeit zu passen.       Auch im Museum selbst wurden unsere hohen Erwartungen verfehlt. Es ging in erster Linie nicht um die Geschichte von Oskar Schindler, sondern um das Leben in Krakau zur Zeit der deutschen Besatzung, z.B. im Krakauer Getto.

Zudem mussten wir bei der Führung durch das Museum einen Kompromiss schließen – entweder der Referentin folgen oder die Ausstellung wahrnehmen. Da die Referentin ihre Führung zu schnell durchzog und es in den Räumen zu eng war, blieb keine Möglichkeit, sich in die interessanten Informationen und Ausstellungstücke wie beispielsweise den Propagandaplakaten, den Kinderbriefen und den nationalsozialistischen Flaggen zu vertiefen. Unserer Ansicht nach hat sich die Referentin (ca. 70-75) in dem zeitlichen Abschnitt der deutschen Besetzung Krakaus „verloren“, weil sie möglicherweise persönlich ergriffen von diesem Geschehen und eine Zeitzeugin war. Aus diesem Grund haben jedoch Hintergrundinformationen zu Schindlers Person, dem Konzept seiner Fabrik und die Abläufe des Vorgangs in letzterer gefehlt. Somit verließen wir enttäuscht und relativ erfahrungsarm das Museum.

Mit mehr Zeit und Muße wäre es sicherlich eine interessante und multimediale Ausstellung – allerdings nicht über Schindlers Leben.

 

Prägend war: die Umbenennung des Krakauer Marktplatzes und die dominante und manipulative Propaganda der Nationalsozialisten.

Der Nachmittag: Besichtigung von Krakau von Lena van Schoonhoven und Alena Fröhling

Nachdem wir in Schindlers Fabrik waren, sind wir mit dem Bus in die Altstadt von Krakau gefahren. Auf dem Weg dorthin, überkam uns beide ein Gefühl der Unsicherheit, als wir aus dem Fenster sahen. Denn es sah alles sehr kaputt und marode aus. Wir erinnerten uns an die Worte von der Museumsführerin aus der Schindler Ausstellung, die von einem Ghetto in dem Teil nach der Brücke berichtete. Und es passte für uns, es war ein Ghetto, wir sahen sogar die alte Ghettomauer. Dies minderte unsere Vorfreunde auf Krakau wesentlich, denn wir hatten nur vom schönen Krakau gehört. Doch blieb das Gefühl der Unsicherheit im Ghetto nicht lange an. Schon ein paar Straßen weiter sah es weniger schmutzig, alt und kaputt aus. Wir stiegen an einer Art Kirche aus, die unsere Vorfreude wieder steigerte. Denn unsere Erwartungen nach den letzten sehr aufwühlenden Tagen war sehr hoch. Wir wollten Ablenkung und auch einen Gegensatz zu den schlimmen Bildern der Vortage. Viele waren jedoch nicht so angetan, noch fünf Stunden in der Stadt herumzulaufen. Unsere kleine Gruppe war jedoch schnell draußen, denn wir waren hungrig. Nicht nur hungrig auf Essen, sondern auch hungrig auf Shoppen! Denn Shoppen macht bekanntlich glücklich. Und das brauchten wir nach den letzten Tagen. Viele ließen auch den Touri in sich raus und kauften sich in den Souvenirläden Kleinigkeiten wie Postkarten, Kühlschrankmagneten oder ähnliche Erinnerungsstücke. Andere liefen dafür knapp 12 Kilometer in der Stadt herum, um ihre Sehenswürdigkeiten wie die Marienkirche zu sehen.

 

Für andere war das Highlight der große Walzer/Samba Flashmobb auf dem Alten Marktplatz (siehe Video)

 

Viele genossen ihre Touri- oder Shoppingtour, während andere in dieser Zeit einfach nur “gechillt“ haben, da sie den Shoppinghunger nicht nachvollziehen konnten. Die Lehrer konnten diesen Hunger ebenfalls nicht nachvollziehen, sie erkundeten lieber in der Zeit die Wawelburg von Krakau. Als der erste Shoppinghunger gestillt war und noch mehr Euros in Zloty umgetauscht und “auf den Kopf gehauen wurden“, brach der eigentliche Hunger aus, welcher mit typisch polnischem Essen wie von McDonalds oder KFC gestillt wurde. Danach wurde weiter geshoppt oder weiter gechillt. Viele Träume wurden in unbekannten No Name Läden oder Läden wie Seaphora, Zara o.Ä. erfüllt.

 

Die Ausbeute reicht von Schuh bis Cardigan und geht über Makeup bis zu pinken Zigaretten. Natürlich wurden auch viele Fotos in der Zeit gemacht. Die Zeit war jedoch für die Shopper zu kurz, um alles zu sehen, was der Tourigruppe, besser geglückt ist. Am Ende wurde die Zeit auch knapp, um noch mehr Läden zu entern und sie ihrer Schätze zu berauben, um sie dann sein eigen nennen zu können. Am Ende ließen die meisten den Tag gemütlich auf einer Bank an einem kleinen Park ausklingen.
Wir zwei hätten uns definitiv noch mehr Zeit und Geld für die Stadt gewünscht. Nicht für das Shoppen, sondern auch um mehr zu sehen. Unsere Erwartungen wurden größtenteils erfüllt und unserer Meinung nach ist Krakau einen Besuch wert. Wir fahren nicht nur mit volleren Koffer zurück, wir fahren auch mit jeder Menge Erinnerungsfotos.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


5. Tag 29.03.2015

Der Vormittag – Führung durch die Synagoge in Oswiecim von

Zwar etwas müde aber dennoch gut gelaunt sind wir heute nach Oswiecim gefahren, um die dortige Synagoge zu besuchen. Dort erfuhren wir, wie die Juden im 16. Jahrhundert nach Auschwitz gekommen sind und wie es ihnen während der Besetzung der Deutschen im zweiten Weltkrieg ergangen ist. Die Synagoge ist sehr unscheinbar und sieht von außen nicht wie eine Synagoge aus, was auch der Hauptgrund ist, warum die Synagoge heute noch existiert. Die Nazis nutzten das Gebäude der Synagoge während des Weltkrieges als Munitions- und Waffenlager. Da der Anteil der Juden vor dem zweiten Weltkrieg bei ca. 50% lag, gab es ursprünglich mehrere Synagogen, die jedoch alle im Holocaust zerstört wurden. Heute wird die Synagoge kaum genutzt, da keine Juden mehr in Auschwitz leben. Lediglich anreisende jüdische Gruppen nutzen die Synagoge für Gottesdienste.

Wir fanden die Führung sehr interessant, vor allem weil wir vorher noch nie in einer Synagoge waren, aber auch weil man Auschwitz nicht mehr nur mit dem Konzentrationslager in Verbindung bringt.

Gruppenbild vor der Synagoge

 

Der Vormittag – Führung durch die Stadt Oswiecim von Pia und Phillip

Heute nahmen wir an einer Stadtführung durch Oswiecim teil. Diese wurde von einem jungen Österreicher geleitet, der seit 16 Jahren in Polen lebt und fließend Deutsch sprach. Zur Zeit absolviert er seinen Friedensdienst in der Synagoge und dem Museum in Oswiecim.

Zu Beginn sahen wir das Schloss der Stadt, welches nur noch teilweise vorhanden ist, da es vielen Bränden zum Opfer fiel. Im Anschluss daran besuchten wir einen alten jüdischen Friedhof. Direkt dort konnte man ebenfalls eine sehr eindrucksvolle Kirche betrachten, die zu Zeiten der Besetzung Polens von den Deutschen als Kino und allgemeinen Sammelplatz benutzt wurde. Dort konnten wir ein Graffito betrachten, das im Rahmen eines künstlerischen Festivals an eine Wand gesprüht worden war. Es zeigt den ehemaligen Papst Johannes Paul II, der den Spruch

  

 

 

 

 

 

 

 

 

„Antisemitismus ist ein Verbrechen gegen Gott und die Menschen“ sagt.

Anschließend besuchten wir noch dem Marktplatz, auf dem man durch Vitrinen das alte Fundament der Stadthalle und das eines Bunkers, der erst vor 3 Jahren entfernt wurde, sehen konnte. Dann war die Führung bereits vorbei und wir hatten noch etwas Freizeit bis zur Abfahrt. Im Gegensatz zu den bisherigen Eindrücken, war die Stadt Oswiecim sehr beschaulich und schnuckelig.

 

Oswiecim – ein Leben im Schatten von Auschwitz von Meike Schöps

Rund um das Stammlager Auschwitz I herrscht eine triste und bedrückende Atmosphäre. Immer wieder kam mir die Frage in den Sinn: Wie kann man hier eigentlich wohnen und leben? Die Antwort haben wir heute bei strahlendem Wetter bei der Stadtführung bekommen. Oswiecim ist auch eine schöne Kleinstadt mit einem Schloss, einem Markplatz im Zentrum der Stadt und die Sola lädt zu einem idyllischen Spaziergang entlang des Flusses ein. Die Antwort auf meine Frage geben die Bilder, die ich im Cafè Bergson gefunden habe:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Nachmittag: Stammlager Auschwitz I- Nationale Ausstellungen von Jascha und Askhab

Da das Konzentrationslager Ausschwitz mehrere nationale Ausstellungen umfasst, entschieden wir uns aus persönlichen Gründen über den Block 21, der Niederlande zu berichten.

Insgesamt wurden damals 107.000 der 140.000 in den Niederlanden lebenden Juden nach Deutschland ausgeliefert Darunter auch Zeugen Jehovas, politische Gefangene und Sinti & Roma. Es gab nur knapp 5.500 Überlebende. Aufgrund der emotionalen Intensität in Auschwitz, die sich bei uns zeigte, möchten wir uns kurz fassen.

Um sich annähernd vorzustellen, wie viele niederländische Juden ihr Leben verloren haben, fotografierten wir die Wand mit allen 57.000 aufgelisteten Namen der Betroffenen. Als wir die Ausstellung verließen, wussten wir, dass es der letzte Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz sein wird. Dieser Gedanke war sehr erleichternd. Die psychische Last, die wir mit uns trugen, ist somit ein Stück weit von uns abgefallen.

 

Die Auflistung der ermordeten niederländischen Juden scheint endlos.

 

 

 

 

 

 

Der Nachmittag: Stammlager Auschwitz I- Nationale Ausstellungen von Meike Schöps

In der israelischen Ausstellung – Shoah-Block 27 - ist ein Raum dem Gedenken der im Holocaust ermordeten Kinder gewidmet. Die Kinderzeichnungen sprechen für sich


Stimmen zu Auschwitz

„Erzählt es euren Kindern.“

„Man muss es selbst gesehen haben, um sich überhaupt ansatzweise das Ausmaß der Brutalität und der Grausamkeit vorstellen zu können. (Pepe Gieser)“

„Die Antwort auf die Frage „Was hätte ich damals getan?“, gefällt mir nicht.“

„Mir wurde klar, was ich für ein Glück habe, so zu leben wie ich will und auch später würdevoll sterben zu können.“

„Die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, bestärken mich in meiner kritischen Meinung gegen Rassismus und für Toleranz.“

„Es gab auf jeden Fall sehr viele Eindrücke, die im Kopf bleiben. Einige davon sind positiv und andere negativ. Jedoch war es sehr gut, dass wir in einer Gruppe waren, in der man über diese Reden kann, damit man das nicht alles für sich behalten muss.“

„Bei mir hat dieser „Ausflug“ viel bewegt. Er hat die Vorstellungskraft an die frühere Zeit verstärkt. Ebenso fand ich es wichtig zu erkennen, dass leidende Menschen sich gegenseitig halfen und verzichteten, um anderen zu helfen.“

„Jeder Mensch sollte eigene Erfahrungen in Auschwitz machen. Auch wenn viele dieser Erfahrungen sehr belastend sein können.“ (Steffi)

„Ich danke den Lehrern für ihre offene Art, weil dadurch kein zwanghaftes Unterrichtsgefühl entstanden ist. Zusätzlich bin ich froh, dass ich an der Auschwitz-Fahrt teilgenommen habe, da ich dadurch viel näher am Thema bin und die ganze Sache mehr verstehe. Die Erfahrungen werden immer bei mir sein und ich werde sie mit so vielen Personen wie möglich teilen, damit so etwas nie mehr passiert.“

„Sehr eindrucksvoll, nur schade, dass vieles so künstlich dargestellt wurde.“

„Ich hatte die Hoffnung zu hören, dass das Schicksal der KZ-Gefangenen nicht so schlimm war, wie man immer hört. Jedoch wurde diese Hoffnung nicht erfüllt.“

„Es ist wichtig, Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen, im Sinne der Zukunft. Das Thema Nationalsozialismus sollte angemessen und kritisch in der Gegenwart spürbar bleiben, um eine Wiederholung eines solch grausamen Geschehens zu verhindern“ (Kim Denz)

„In der ehemaligen Villa von Rudolf Höß hängen Gardinen und Pflanzen stehen im Fenster. Der Garten grenzt direkt an das Lager. Das Kaminholz ist an die Betonmauer mit dem Stacheldraht geschichtet. Wer kann hier wohnen?“

 

 

„Ich bin unfassbar dankbar für bewegenden und erschütternden Erfahrungen, die man hier sammeln konnte. Sie waren hilfreich für die ganzen offenen Fragen, die man zuvor hatte. Dies hat mich unfassbar fertig gemacht hat, allein dort zu stehen, wo so viele Menschen gestorben sind, hat einen anderen Menschen aus mir gemacht.“

„Ich konnte bisher die Geschichte als Faktum annehmen. Doch kehrt man an diesen Ort, sind Gefühle, die zu spüren sind, keine Fakten mehr. Sie wirken lebendig und dabei so erschreckend. (Laura Warnken)“

„Es war erschreckend, das Leid in Auschwitz zu sehen. Auch in Hinblick auf heutige Zustände ist es für mich unbegreiflich, wie Antisemitismus funktionieren kann. Es muss alles dafür getan werden, dass Menschen nicht für Dinge diskriminiert oder verfolgt werden, für die sie nichts können.“

„Die Erfahrungen, die man hier gemacht hat, waren sehr beeindruckend. Auschwitz ist auf jeden Fall einen Besuch wert, damit nicht in Vergessenheit gerät, was passiert ist.“

„Es ist so erschreckend, wie grausam Menschen sein können. Die Ausmaße sind unvorstellbar. Selbst wenn man dort war, realisiert man nicht, wie viele dort auf grausame Art und Weise ermordet wurden.“

„Der Ausflug hat mich sehr berührt. Man kann sich besser vorstellen, wie es einmal war und was passiert ist. Wenn man die Möglichkeit hat einen Ausflug wie diesen zu machen, sollte man dies auch tun.“

„Try not think about, because it’s only make you miserable.“

„Ich möchte alle positiven und negativen Erfahrungen, die ich in Auschwitz sammeln durfte, mit nach Hause nehmen, um zu verhindern, dass sich etwas Vergleichbares wiederholt.“

Es ist eine Art Pflicht, über diese grausame Vergangenheit Bescheid zu wissen, damit es Vergangenheit bleibt.“

„Nach dieser Fahrt bin ich der Meinung, dass ich nicht das Recht habe mich über mein Leben zu beschweren.“ (Hanna Kaiser)

„Der Schrecken von Auschwitz ist noch nicht verjährt.“ (Axel)

„Schützt denn bürgerlichen Humanismus vor gar nichts?“

„Zahlen wurden zu individuellen und spürbaren Schicksalen – zu Menschen.“

„Durch diese Aktion wurde uns verdeutlicht, dass der Krieg tiefe Verletzungen verursacht und die Wunden auch nach Jahren nicht verheilen.“


Wieder zu Hause von Fiona Waerder

Grob zusammengefasst waren die letzten 5 Tage erkenntnisreicher und eindrucksvoller denn je. Auf der einen Seite war es erschreckend und man war sprachlos, auf der anderen Seite war man jedoch dankbar für diese Erlebnisse und Denkweisen, die man nach dem Besuch der Konzentrationslager hatte.

Den Hinflug nach Kattowitz hat jeder mit einem mulmigen Gefühl geteilt, da keiner wusste, was auf einen wirklich zukam, jedoch auch die unfassbare Neugier alles hautnah mit zu erleben.

Durch die unfassbare Offenheit der Gruppe hat man in den letzten 5 Tagen den notwendigen Halt gehabt und hat sich stückweit verbunden gefühlt mit seinen Gedanken und Emotionen.

Zum Schluss hin war jedoch jeder froh nach Hause in sein Bett zu kommen und die Erlebnisse und Erfahrungen teilen und verarbeiten zu können. Jeder von uns hat Erlebnisse mit nach Hause gebracht, die er sein Leben lang nicht vergessen wird